Montag, 01. März 2021
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Meinung Bahnhof

Vergessener Bahnhof?

Ein Bahnhof wurde zum Haltepunkt

Bahnhof Kröpelin 2008
Das Kröpeliner Bahnhofsgelände bietet keinen schönen Anblick

Die Natur holt sich zurück, was ihr 1883 genommen wurde. Da war nämlich die Eröffnung der Bahnlinie Wismar-Kröpelin-Rostock. Die Strecke wurde sofort angenommen und Kröpelin hatte eine eigene Güterabfertigung. Bis in DDR-Zeiten war es möglich, auch privat durch die Bahn transportieren zu lassen. Größere Sachen holte die Bahnspedition ab oder brachte diese, meist frei Haus, dem Empfänger. Richtig Betrieb war sieben Tage die Woche auf dem Ent- und Beladebahnhof, denn der Gütertransport fand damals vorwiegend auf der Schiene statt. Firmen, die etwas größer waren, wie das ACZ, hatten sogar einen eigenen Gleisanschluss. Hier kamen manchmal Ganzzüge mit Düngemitteln aus der damaligen Sowjetunion zum Entladen an. Lange ist es her.

Mit der Schließung der Gaststätte, vor etwa drei Jahren, wurde der Bahnhof endgültig zu einem nicht schön anzusehenden Haltepunkt der Regionalbahn. Das Bahnhofsgebäude steht leer. Fenster und Türen sind mit Spanplatten verschraubt und es gibt weder einen Fahrplan noch eine Uhr. Die Wege zum Bahnhof und die Bahnsteige sind ungepflegt und man gewinnt schnell den Eindruck, als wenn sich hier niemand um nichts mehr kümmert. Wenn Eigentum wirklich verpflichtet, dann ist es die Bahn AG, die hier echt in der Pflicht ist. Als ich vor einer Woche wieder einmal mit dem Zug fuhr, war ich etwas zu früh auf dem Bahnhof. Als ich nun auf die Ankunft meines Zuges warte, kommt eine junge Familie mit zwei Kindern im Alter von drei bis vier Jahren auf den Bahnsteig. Der Vater äußert sich unmissverständlich, über ALLES, was es auf dem Bahnhof nicht mehr gibt. Da laufen die Jungen zur Bahnsteigkante: “Papa komm schnell, die Schienen sind noch da”. Kindermund tut Wahres kund, heißt es ja nicht zu Unrecht, denn etwas mehr, als die Schienen, sollte ein Haltepunkt der Bahn schon haben.

Vielleicht liest ja zufällig ein Verantwortlicher der Bahn AG diese Zeilen und es könnte gelingen, den Bahnhof Kröpelin etwas ansehnlicher zu machen. Sicher findet sich ein Kröpeliner, der auf 400-Euro-Basis nach dem Rechten schaut, Unrat beseitigt und das Umfeld in Ordnung hält. Ein Bahnhof ist nicht nur Visitenkarte einer Stadt, sondern auch des Unternehmens, das Geld mit der Beförderung verdient. Auch wenn dazu, wie noch vor Jahren, kein bewirtschafteter Bahnhof mehr erforderlich sein mag, sehenswert sollte in unserer heutigen Zeit auch ein Haltepunkt werden, sein und nach Möglichkeit bleiben.

1 Kommentar zu “Vergessener Bahnhof?”


  1. avatar 1 gast F. Delius (Gast)

    Ist ja erschreckend was aus dem schoenen Bahnhof geworden ist. Ich war 1983 zum letzten mal da, und es herrschte immer noch reger Verkehr, der “halb achter” und danach der Eilzug….das waren noch Zeiten. Nachmittags kamen wir alle mit den “Bummelzug” nach Hause, oft noch mit Dampflok und proppe voll !!!

    – Schade eigendlich –
    Die Bahn sollte sich etwas schaemen !!!

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