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Sieben Millionen Euro verbrannt

Ostseezeitung: Freitag, 14.05.2004

Schüler protestierten in Kröpelin gegen Sparpläne

Schüler, Lehrer und Eltern gingen gestern für den Erhalt des Schulstandortes Kröpelin auf die Straße. Auf dem Markt verbrannten sie symbolisch die sieben Millionen Euro, die erst vor sechs Jahren in die Schule investiert wurden.

Kröpelin Nach der sechsten Unterrichtsstunde gingen viele Schüler und Lehrer der Regionalen Schule Kröpelin gestern nicht den gewohnten Weg. Zusammen mit Eltern und Kröpeliner Kindergartengruppen zogen sie von der Schule aus in Richtung Marktplatz, um mit Trillerpfeifen und Transparenten für den Erhalt des Schulstandortes Kröpelin zu demonstrieren.

Anlass der Protestaktion war die angekündigte Absicht des staatlichen Schulamtes Rostock, ab dem kommenden Schuljahr an der Regionalen Schule Kröpelin keine fünfte Klasse mehr zu bilden, da die Mindestschülerzahl von 22 nicht erreicht wird. Das würde bedeuten, dass die dort angemeldeten Schüler auf andere Regionalschulen im Landkreis Bad Doberan verteilt werden. Die Verweisung an andere Schulen würde 18 Mädchen und Jungen betreffen, von denen mehr als die Hälfte gravierende Teilleistungsschwächen hat. In Kröpelin und der Umgebung macht sich die Sorge breit, dass weitere Einsparungen folgen werden und dies der Anfang vom Ende des Regionalschulstandortes sein wird. Deshalb hatten die Kröpeliner Schüler auf einer Vollversammlung beschlossen, dagegen anzugehen.

“Eine Stadt ohne Schule geht schlafen” – dieses Motto wählten die Kröpeliner Regionalschüler für ihre Demonstration, in der sie die Bildung symbolisch im Rollstuhl fuhren.

Auf dem Marktplatz wurde ein kleiner transportabler Ofen angeheizt. In ihm verbrannten die Kinder und Jugendlichen in Form extra dafür angefertigter Geldscheinimitate die etwa sieben Millionen Euro, die einstmals an Investitionen für einen qualitativ hochwertigen Unterricht an der Schule verbaut wurden.

Über den Lautsprecher eines der begleitenden Polizeifahrzeuge wandte sich Bürgermeister Paul Schlutow im Namen des Schulträgers an die etwa 200 Demonstranten auf dem Marktplatz. Er pflichtete ihnen bei, dass an der Bildung nicht gespart werden sollte. “Dies hat die Stadt bisher auch nicht getan”, sagte Schlutow. Bei einer Streichung der fünften Jahrgangsstufe würde das Land Mecklenburg-Vorpommern lediglich die Kosten auf die Kommune verlagern, mahnte das Stadtoberhaupt an. Paul Schlutow erklärte, dass die Stadt für die Verteilung der 18 Schüler an andere Schulen laut Schulausgleichsgesetz rund 20 000 Euro zahlen müsste. Mit weiteren 20 000 Euro würden sich die Betriebskosten niederschlagen. “Davon könnte die Stadt Kröpelin eine Lehrerstelle finanzieren”, rechnete der Bürgermeister auf und machte deutlich: “Unterm Strich würde durch das angekündigte Vorhaben, die fünfte Klasse zu streichen, keine Steuerersparnis herauskommen”. Schlutow sicherte zu, dass sich die Stadtverwaltung und -vertretung weiterhin für den Schulstandort Kröpelin einsetzen werden.

DETLEF LÜBCKE

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