Donnerstag, 22. Februar 2018
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PresseWahlen BürgerentscheidHubertus Wunschik

Sehr geehrter Herr Pubantz,

seit dem 01.06.2011 sind Sie der neue Chefredakteur der Bad Doberaner Regionalausgabe der Ostsee-Zeitung.

Bisher ließen Sie vor allem Herrn Hoppe über Kröpelin berichten, doch die letzte Sitzung der Kröpeliner Stadtvertretung machten Sie zu ihrer Chefsache. Mit ihrem Bericht haben Sie sich scheinbar festgelegt: Der Stadtvertretervorsteher Herr Dr. Borchardt erscheint dort als ein pedantischer Erbsenzähler und die siebzehn Stadtvertreter sind die Bösen, die einstimmig aber völlig grundlos den Herrn Bürgermeister mobben. Herr Wunschik ist der Held mit Glorienschein.

Sprachen Sie zuvor mit einem der siebzehn Kröpeliner Stadtvertreter und versuchten Sie deren Gründe zu ergründen?

Sprachen Sie zuvor mit einem Mitarbeiter der Stadtverwaltung? Sie saßen während der Sitzung neben Frau Erdmann. Sahen Sie die Tränen?

Sprachen Sie zuvor unter drei mit einem Bürgermeister der umliegenden Städte und Gemeinden oder mit einem Vertreter des Landkreises?

Herr Wunschik kam völlig unbekannt nach Kröpelin und konnte aus dem Stand 58 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinen. Er war der einzige der Kandidaten, den seine Wähler nur von seinen wenigen öffentlichen Auftritten, den positiven Pressebrichten (OZ berichtete) und vom erstmals in Kröpelin bei kommunalen Wahlen aufgehängten Plakaten her kennenlernen konnten. Einige Alteingesessene fanden sich zur Unterstützung des auswärtigen Kandidaten. Das alles spricht für die Aufgeschlossenheit der Kröpeliner.

Die im Wahlkampf und in der langen Wartezeit zwischen der Wahl und der Amtsübernahme geschürten Erwartungen waren nicht klein. Auf Herrn Wunschiks Homepage las man schöne Worte und mit seinen Interviews (OZ berichtete) wurde der Stadt eine schöne Zukunft versprochen.

Aufgemerkt dürften viele erst haben, als sich der neue Bürgermeister ausgerechnet an seinem aus Altersgründen aus dem Amt geschiedenen Vorgänger abzuarbeiten begann. Mal zum Vergleich, Paul Schlutow war seinerzeit mit 78 Prozent gewählt worden. Nun aber stellte Herr Wunschik (OZ berichtete) Paul Schlutow öffentlich an den Pranger und beschuldigte ihn mehrfach und öffentlich, gegen deutsche Gesetze und Verwaltungsvorschriften verstoßen zu haben. So etwas hat es in der Stadt Kröpelin noch nicht gegeben!

Auch der Amtsvorgänger des Amtsvorgängers blieb nicht verschont. Auf Einladung (!) der SPD sprach Gast (!) Hubertus Wunschik folgenden ersten Satz seiner Rede: “Hier ist ja zwanzig Jahre nichts passiert!” Karl-Heinz Schwarck saß dabei. Das konnte ich natürlich so nicht stehen lassen und widersprach energisch. Aber auch ich wurde gemaßregelt, wie ich es wagen könnte, in einem Kommentar auf Kroepeliner.de die Ähnlichkeit von Herrn Wunschiks Bürgermeisterwahlkampfkarten und die ersten in seiner Amtszeit von der Stadt gedruckten Imagekarten bemerkt zu haben. Joachim Bockholt wurde gemaßregelt, weil dieser es wagte, Herrn Wunschiks (nie veröffentlichte!) Pamphlete (oder wie sie auch genannt wurden: Visionen) zum Gutshaus Altenhagen und zur Kröpeliner Mühle als Pamphlete zu bezeichnen. Ein Gast ohne jeden Respekt und mit einem Ego, wie ich es noch nie erlebt habe. Seither weiß ich, was ich von Herrn Wunschik zu halten habe.

Inzwischen hatte sich der neue Rathauschef auch seiner Rathausmannschaft offenbart. In aller Öffentlichkeit (OZ berichtete) wurden Abmahnungen an die Amtsleiter verkündet. Die damals aktuelle Hauptsatzung gab dem Bürgermeister zwar eine gewisse Disziplinarbefugnis, aber keinesfalls gehören solche Personalangelegenheiten – zumal solche, die als “innere Angelegenheiten der Verwaltung” zu gelten haben – an die Öffentlichkeit. Auch so etwas hat es in der Stadt Kröpelin noch nicht gegeben!

Ich kann mir das nur so erklären, daß der frühere Galerist Hubertus Wunschik sofort an die Grenzen seiner Verwaltungskenntnisse stieß und meinte, mit unorthodoxem Handeln sich über Recht und Gesetz hinwegsetzen zu können. Seine dienstunterstellte Verwaltung wurde nicht gefragt, sondern kaltgestellt. Statt dessen wurden externe Beratungsfirmen und Rechtsanwälte beauftragt. Ruckzuck war der dafür vorgesehene Haushaltsposten leer, denn eigentlich war der bislang bei seinen Vorgängern nur für den Fall von Rechtsstreitigkeiten vorgesehen. Herr Wunschik überzog, wieder ohne Rücksicht auf geltendes Haushaltsrecht. Das ging so weit, daß er sogar Rechtsgutachten gegen Beschlüsse der alten Stadtvertretung schreiben ließ. Auch so etwas hat es in der Stadt Kröpelin noch nicht gegeben!

Die alte Stadtvertretung bekam an den Kopf geknallt, das die damals bald neu zu wählende Stadtvertretung gewiß den Visionen des Bürgermeisters folgen würde. Genau in dieser Tonlage mischte sich Herr Wunschik aktiv in den Kommunalwahlkampf ein. Das die 54 antretenden Kröpeliner Kandidaten durchaus ihre eigenen Vorstellungen und Ideen mitbringen würden, spielte in der Gedankenwelt des Bürgermeisters keine Rolle. Wer nicht für ihn ist, muß einfach gegen ihn sein, so sein Glauben, so bissig seine Reaktionen. Als die 17 gewählten Stadtvertreter nach der konstituierenden Sitzung noch gemeinsam auf ein Bier in der Brutzelstube saßen, verkündete Herr Wunschik lauthals: “Am liebsten streite ich mich mit dem Wendt!”

Auch die neue Stadtvertretung konnte nicht anders, als die zwischenzeitlichen Rechtsverstöße des Bürgermeisters der übergeordneten Behörde zur Prüfung zu geben. Manch einer hält die Stadtvertretung zwar für ein (Kommunal-) Parlament (auch ständig die OZ), doch tatsächlich ist auch dieses Gremium lediglich ein Teil der kommunalen Selbstverwaltung, also der Exekutive. Die Rollen sind klar verteilt. Die Kommunalverfassung ist da zweifelsfrei zu lesen. Der Bürgermeister ist der Dienstvorgesetzte der Stadtverwaltung und die Stadtvertretung ist Dienstvorgesetzte des Bürgermeisters. Eine ihre Aufgaben ist es, die Stadtverwaltung und deren Chef zu kontrollieren. Herr Wunschik nimmt das persönlich und greift die Stadtvertretung bald frontal an, verhöhnt und diffamiert sie und ihren obersten Repräsentanten, unseren Stadtvertretervorsteher Dr. Borchardt mehrfach und öffentlich (OZ berichtete). Auch so etwas hat es in der Stadt Kröpelin noch nicht gegeben!

Netzwerke wollte Herr Wunschik errichten, Gemeinwesenarbeit machen. Dazu wurde vieles in der Öffentlichkeit angekündigt (OZ berichtete). Interessierte wurden zu diversen Runden geladen. Runden, die es sämtlichst schon gab, nur eben nicht unter dem Vorsitz von Herrn Wunschik. Schon in der ersten Runde mit den Bürgermeistern verließen einige vor der Zeit den Saal und mir ist keine Wiederholung bekannt. Nachdem der Tourismusverband Mecklenburgische Ostseebäder e.V. Hern Wunschik nicht in ihren Vorstand und in ihren Marketingausschuß wählen wollte, empfahl Herr Wunschik der Stadtvertretung den Austritt aus selbigem. Öffentlich erklärte Herr Wunschik in Arnage, die Städtepartnerschaften mit Hude und Schwarmstedt beenden zu wollen. Auch so etwas hat es in der Stadt Kröpelin noch nicht gegeben!

Das die Stadtvertreter nach und nach erwachten, sich zunehmend dagegen auflehnten, sollte niemanden verwundern. Auf Karl-Heinz Schwarck und Paul Schlutow konnte man sich verlassen, aber bald war klar, Stadtvertreter zu sein, hatte eine neue Qualität bekommen. Plötzlich hieß es Schaden von der Stadt abzuwehren. Plötzlich wurden Protokolle des Hauptausschusses verfälscht (OZ berichtete). Plötzlich mußte man einmal gefasste Beschlüsse wieder und immer wieder nachfragen. Plötzlich ist im Rathaus auf nichts mehr Verlaß, wurden Beschlüsse der Stadtvertretung regelrecht boykottiert. Stichwort Kröpeliner Mühle. Auch so etwas hat es in der Stadt Kröpelin noch nicht gegeben!

Aber es wurde noch schlimmer. Herr Wunschik begann gegen Stadtvertreter persönlich vorzugehen. So passierte es, daß gezielt Arbeitgeber angerufen wurden, damit selbige Einfluß auf das Verhalten der Stadtvertreter nehmen sollten. Herr Wunschik bat auswärtige Behörden um Amtshilfe, um gezielt amtliche Maßnahmen gegen kritische Stadtvertreter zu initiieren. Herr Wunschik setzte seine Anwälte gezielt gegen Stadtvertreter an, um selbige mit Abmahnungen im vierstelligen Bereich und Verpflichtungserklärungen mundtot zu machen. Auch so etwas hat es in der Stadt Kröpelin noch nicht gegeben!

Zugegeben, es hat einige Zeit gedauert, bis auch der letzte der siebzehn Stadtvertreter sich nicht mehr blenden ließ. Fast jeder hatte es in persönlichen Gesprächen im Guten mit Herrn Wunschik versucht. Nichts wurde besser. Einmütig wurde darum im Juli eine Öffentliche Erklärung verfaßt. Nichts wurde besser.

Sehr geehrter Herr Pubantz, die Stadtvertretung kann leider nicht warten, bis auch Sie Herrn Wunschik erkennen. Darum blieb der Stadtvertretung nichts anderes, als öffentlich zu erklären:

Die Voraussetzungen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Bürgermeister und Stadtvertretung beziehungsweise Stadtverwaltung sind nicht mehr gegeben.
Das Arbeitsklima ist erheblich gestört, ein zielgerichtetes, effektives und konstruktives Arbeiten zum Wohle der Stadt Kröpelin ist nicht möglich.

und die Entscheidung dem Volk zu übergeben.

Mit freundlichem Gruß
Thomas Wendt
– Stadtvertreter –
– Mitglied des Kreistages –

2 Kommentare zu “Sehr geehrter Herr Pubantz,”


  1. avatar 1 gast M.H. (Gast)

    Daumen hoch!!!!
    Weg mit dem Herrn Wunschik!
    Wenn ich zitieren darf: “Wer nicht für die Stadt arbeitet der ist gegen die Stadt(Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich!)” und hat dort nichts mehr zu suchen!
    Wenn man das ganze seit Amtsantritt verfolgt hat, dann sollte besagter Herr froh sein dass man nicht mehr im Mittelalter lebt. Früher wurden solche Leute von einem aufgebrachten Mob aus der Stadt gejagt.
    Denke das ein Volksentscheid der richtige Weg ist um ihn aus Amt und Würden zu geleiten.
    Mögen die Bürger bei der nächsten Wahl nicht so blind oder voreingenommen wählen. Lieber Jemanden aus den eigenen Reihen nehmen, da weiß man was man hat und kennt die Person und ihr Wesen.
    Viel Erfolg!

  2. avatar 2 gast DER OBSIDIAN (Gast)

    Als Mönchengladbacher sind mir die Machenschaften des Herrn Wunschik noch als Leiter der Abteilung Kunstförderung hier in bester Erinnerung. Ich verstehe die Reaktionen der Kröpeliner Stadtvertreter nur allzugut. Lesen Sie dazu den Artikel “Kunst & Kröpeliner Bürgermeister” in unserer Zeitschrift DER OBSIDIAN. Wir sind eigentlich ein internationales Kunstjournal, haben aber, auf Wunsch vieler Leser, eine Rubrik MG lokal eingerichtet, um auch kritische Stimmen zu Wort kommen zu lassen, die ansonsten in der lokalen Presse kein Gehör fänden.
    Mit besten Wünschen für eine baldige zufriedenstellende Lösung
    Bernd Riebe
    DER OBSIDIAN
    Zeitschrift für Kunst und Literatur

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