Dienstag, 19. November 2019
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Schornsteinfeger sammelt Glücksbringer

Harald Neujahr war schon als Kind von dem Beruf des Schornsteinfegers begeistert. Seit 1994 arbeitet der Meister in Kröpelin.

Kröpelin „Ich bin glücklich verheiratet, habe drei Kinder und ein kleines Häuschen. Das ist ja auch schon was“, sagt Harald Neujahr. Abergläubische Menschen würden das jetzt auf seinen Beruf zurückführen. Der 40-Jährige ist nämlich Schornsteinfeger. Aber auch sonst dreht sich einiges bei dem Kröpeliner um Schornsteinfeger. Er züchtet so genannte Schornsteinfegertauben und in seinem Regal im Arbeitszimmer stehen unzählige kleine und große schwarze Männchen mit und ohne Zylinder. „Ab und zu bekommt man mal einen geschenkt, aber direkt sammle ich sie nicht mehr“, meint Harald Neujahr.
Das Handwerk des Schornsteinfegers ist bei den Neujahrs Tradition. Schon der Urgroßvater, dessen Gesellenbrief von 1894 an der Wand hängt, fegte Schornsteine. Bereits als Kind war Harald Neujahr von der Arbeit des Vaters fasziniert. Schon im Alter von zehn Jahren begleitete der gebürtige Ribnitz-Damgartener seinen Papa. „Mit 14 Jahren ging’s dann richtig los“, erinnert er sich. In der Ferienzeit arbeitete er beim Vater und verdiente sich ein paar Mark. So konnte der damals Jugendliche bereits testen, ob er höhentauglich ist.

Nach der Schule hieß es endlich: Schornsteine fegen, selber Besen binden, Öfen reinigen oder etwas über Baumaterial oder den Aufbau von Feuerstätten lernen. Das genügte Harald Neujahr jedoch nicht und er setzte sich fünf Jahre nach Beendigung seiner Lehre erneut auf die Schulbank und machte seinen Meister. „Mit 60 noch auf’m Dach rumkriechen ist ja auch nicht das Wahre“, erklärt der Bezirksschornsteinfegermeister. Seit April 1994 arbeitet Harald Neujahr in Kröpelin und Umgebung.

„Früher hat mir die Arbeit mehr Spaß gemacht. Das Klima ist rauer geworden“, so der „Glücksbringer“, der seit 1994 auch in der Freiwilligen Feuerwehr in Kröpelin Mitglied ist. Auch das Handwerkliche wäre früher mehr gefragt gewesen. Heute sei er mehr mit Überprüfungen, Technik und Energieberatung beschäftigt. Der Handwerker kontrolliert etwa Herde, Öfen oder Heizkessel, führt Emissionsmessungen durch oder nimmt Schornsteine ab. „Wir sind schon im Haus, da kennt einen der Hausbesitzer noch gar nicht“, sagt Harald Neujahr, der auch des Öfteren von Leuten auf Grund seiner Uniform angefasst wird. Dem Handwerksmeister ist bei der Abnahme so genannter Feuerstätten in letzter Zeit aufgefallen, dass häufig Kamine oder Heizkessel ohne die notwendigen CE- und Ü-Zeichen vertrieben werden. „Diese besitzen nicht die Bauzulassung für Deutschland“, weiß der Schornsteinfeger. Gerade hat er so einen Fall. Ein Heizkessel wurde bereits eingebaut und kann jetzt nicht von ihm abgenommen werden. Deshalb betont der Fachmann: „Brennt da was, hat man null Versicherungsschutz.“ Gründe für solche Verstöße sieht Harald Neujahr in der Unwissenheit der Verbraucher und „sie gucken nur nach dem Geld“.

STEFANIE ADOMEIT
OZ vom 17.02.06

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