Montag, 26. August 2019
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Neun gute Gründe für Kröpelin

Die Festlegungen über Mindestschülerzahlen im Land wurden für rechtswidrig erklärt. In Kröpelin eröffnete darum gestern eine fünfte Klasse.

Kröpelin Timon Wilke aus Kröpelin ist froh: „Ich musste nicht um 5.30 Uhr aufstehen, sondern erst eine gute halbe Stunde später“, erzählt der Zehnjährige. Nicht nach Rostock an die Gesamtschule führte ihn gestern sein Weg, sondern an die Regionale Schule in der Heimatstadt. „Toll, dass es hier eine fünfte Klasse gibt. Noch vor Wochen sah das nicht so aus“, sagt Banknachbar Phillip Hellmanzik. Der Kröpeliner ist „happy“, nicht nach Neubukow fahren zu müssen. „Hier ist alles vertraut. Und die Wege viel kürzer.“
Anna Lange aus Alt Karin und Eileen Persky aus Jennewitz gehören auch zu den neun Kindern, die in die fünfte Klasse an der Regionalen Schule gehen. „Ich kenne meine Klassenkameraden seit Jahren. Die Lehrer sind nett. In Kühlungsborn wäre vieles für mich neu gewesen“, gesteht Anna. Dass die Fünfte mit neun Mitstreitern nicht gerade überfüllt ist, findet sie gut. Vier Jungen, fünf Mädchen. Das passt schon.

5. Klasse in Kröpelin Der Kampf für die Regionale Schule, der schon über Jahre dauert, habe sich trotz Rückschläge gelohnt, meint Bürgermeister Paul Schlutow. Die Stadt als Träger steckte von 1995 bis 2000 rund 8,5 Millionen Euro in das Schulzentrum. Alles ist vom Feinsten: Sporthalle, Aula, Fachkabinette mit erstklassiger Ausrüstung.

„Doch bis zur letzten Minute haben wir gebangt, ob wir eine fünfte Klasse bilden können, weil die geforderten 22 Schüler nicht zusammenkamen“, so Schlutow. Mit der Entscheidung des Verwaltungsgerichts Greifswald, das Haushaltsgesetz von MV auf Grund von Formfehlern für rechtswidrig zu erklären, schöpfte man vielerorts Mut. Denn auch die Mindestschülerzahlen gelten als rechtswidrig. Jede existierende Schule kann Eingangsklassen bilden. „In Kröpelin entschieden sich die Eltern trotz des Hickhacks für die Schule am Ort. Trotz der Verunsicherung und widersprüchlicher Angaben aus Schwerin. Am Freitag teilten wir dem Staatlichen Schulamt in Rostock den Elternwillen mit. Von dort gab es dann grünes Licht“, betont der Bürgermeister.

„Klar freuen wir uns über die Entwicklung. Doch dass alles erst in letzter Sekunde entschieden wurde, ist bitter. Nicht nur wir Pädagogen vermissen eine langfristige Planung, sondern auch die Eltern. Mit solchen Hauruck-Aktionen machen sich politische Entscheidungsträger unglaubwürdig vor unseren Kindern. Es ist ein Trauerspiel“, meint Direktor Thorsten Ruf. Stundenpläne und Lehrereinsätze müssen nun für 138 Heranwachsende in neun Klassen neu abgestimmt werden.

An der Dr.-Gronau-Schule in Neubukow kamen gestern weniger Fünftklässler an, als vor den Ferien avisiert. „Wir gönnen den Kröpelinern die Zusage. Keine Frage. Zurzeit haben wir eine große 5. Klasse mit 28 Kindern. Teilen dürfen wir die nur, wenn die Schulkonferenz dies ausdrücklich beschließt. Zusätzliche Lehrkräfte erhalten wir aber dafür nicht“, so Direktorin Sabine Pakulat.

ANETT JONUSCHAT
Ostseezeitung vom 09.08.2003

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