Mittwoch, 21. Februar 2018
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Nach zehn Jahren das erste Mal Urlaub

Marion und Gerhard Erdmann betreiben seit 1990 die Gaststätte „M’s Brutzel“. Ihr Arbeitstag beginnt um 7 Uhr und endet gegen Mitternacht.

Kröpelin Eine eigene Gaststätte zu eröffnen, war schon zu DDR-Zeiten der Traum von Gerhard und Marion Erdmann. „Wo es vernünftig war, kam man nicht rein. Das ging mir damals so gegen den Strich. Wenn wir eine Gaststätte hätten, würde das anders laufen“, dachte der damals. Gesagt, getan. Kurz nach der Wende eröffneten sie ihr Bistro.
Damals verkauften sie noch Pommes frites und Bratwurst. Knapp 20 Leute hatten einst in dem kleinen Lokal Platz. Nach dem Umbau zum Restaurant haben heute mehr als 50 Personen Platz und es gibt „richtige Gerichte“. „Am meisten Spaß macht mir der Umgang mit den Leuten. Das hält einen auch innerlich jung“, meint der Kröpeliner. Wenn er mehr Zeit hätte, würde er sich gern ein Motorrad kaufen. „Aber jetzt bringt das ja nichts.“

Montag nach 14 Uhr sei der einzige Tag, an dem sie etwas Freizeit in der Woche hätten. Dann geht es abends in die Sauna. An den anderen sechs Tagen der Woche beginnt der Arbeitstag von Ehepaar Erdmann morgens um 7 Uhr und endet gegen Mitternacht.

Gerhard und Marion Erdmann, studierte Diplom-Ingenieurökonomin, schmeißen den Laden allein. „Meine Frau ist das Zugpferd hier. Wenn sie nicht könnte, müsste ich den Laden zumachen“, sagt er. Doch daran denkt der Gastwirt in absehbare Zeit nicht.

Gerhard Erdmann feierte zu Jahresbeginn mit all seinen Freunden, Bekannten und der Familie seinen 60. Geburtstag. Dass so viele Gäste zu seinem Ehrentag erscheinen, ist für ihn eher ungewöhnlich. Denn seit er und seine Frau Marion die Gaststätte „M’s Brutzel“ vor mehr als 15 Jahren in Kröpelin an einem Freitag, den 13., eröffneten, gab es keine große Feier mehr. Stattdessen wurde gearbeitet und höchstens im kleinen Rahmen der Familie gefeiert. „In der Gastronomie ist es egal, ob man Geburtstag hat oder nicht“, so der gelernte Kfz-Schlosser und Industriemeister. Auch eine Auszeit gönnte sich das Ehepaar lange nach ihrer Selbstständigkeit nicht. „Die ersten zehn Jahre hatten wir durchgehend auf. Dann sind wir das erste Mal in den Urlaub gefahren“, sagt Gerhard Erdmann, den seine Freunde nur Gerdchen nennen.

Auch für den damals etwa zehnjährigen Sohn war es eine große Umstellung, dass die Eltern nun nicht mehr so viel Zeit hatten. „Vorher haben wir viele Ausflüge und Unternehmungen gemacht. Und auf einmal hatten Mutti und Papa keine Zeit mehr“, erinnert sich der gebürtige Rostocker, der in dem Restaurant meist hinter dem Tresen steht.

STEFANIE ADOMEIT
OZ vom 06.01.06

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