Mittwoch, 21. Februar 2018
Schusterstadt Kröpelin
Wegweiser
Start ›  Mit Ruhestand nicht viel im Sinn
Presse

Mit Ruhestand nicht viel im Sinn

Mit seinen 78 Jahren greift Friseurmeister Rudolf Suchy auch heute noch zu Kamm und Schere. „Sehr selten, dann aber mit viel Freude.“

Kröpelin „Sechzig Pfennige kostete eine Rasur, ebenso viel die Vollendung einer Glatze“, erzählt Rudolf Suchy. Vor einer Woche wurde der ehemalige Friseur aus Kröpelin 78 Jahre alt. Doch von Ruhestand wollte Suchy eigentlich noch nie so richtig etwas hören.
Gern erzählt er von damals, von Freunden, Familie und seinem Salon. Er erinnert sich: Seine Gesellenprüfung liegt nun 62 Jahre zurück. Friseur zu werden, war nicht unbedingt sein Traumberuf, doch es sollte doch irgendwie ein Handwerk sein.

Damals war dieser Beruf, der heute fest in den Händen von Frauen liegt, eher eine Männerdomäne. Sieht man an den Anfang der Fiseurgeschichte, zu den Barbieren und Figaros zurück, waren diese doch ausschließlich männlich.

Nach dem Krieg kommt der damals 18-Jährige aus dem Sudetenland nach Kröpelin. Vier Jahre später heiratet Rudolf Suchy seine Frau, die noch heute – 56 Jahre später – an seiner Seite ist. Und eigentlich ist sie auch nie so richtig von seiner Seite gewichen.

Nachdem Friseurmeister Suchy in den 50er-Jahren seinen eigenen Laden in der Kröpeliner Hauptstraße 28 eröffnet, steigt auch seine Frau, die gelernte Erzieherin, mit ein in das haarige Geschäft. Beide rasieren und friesieren nun von morgens bis abends. Nicht ohne Stolz sagt Rudolf Suchy: „In diesem Haus gab es schon seit 1923 einen Friseurladen“.

In seiner freien Zeit zieht es den damals 25-Jährigen zum Sport: Handball und Fußball. Seit 1949 ist Suchy bereits ehrenamtlicher Sportfunktionär im Fußballverein des Ortes.

Durch einen Unfall bleibt ihm das aktive Spielen bald untersagt, doch Suchy bleibt trotzdem „am Ball“ im Verein, bis heute ist er Präsident des Kreisfußballverbandes. Nach dem Zusammenschluss mit dem Bützower Verband, durch die Kreisgebietsreform, sind es nun 30 Männer- und

70 Jugendmannschaften, um deren Vereinsleben sich Rudolf Suchy kümmert.

Und auch heute noch greift der Friseurmeister zu Kamm und Schere. „Sehr selten, dann aber mit viel Freude“, äußert er sich. Zu seinen Gelegenheits-Kunden gehört unter anderem Sportsfreund Fritz Riedel aus Kühlungsborn: „ Klar, ist doch immer eine nette Gelegenheit uns zu treffen. Ich kenne ihn schon sehr lange, als begeisterter Handballer fiel er mir damals auf. Wir haben den Kreisfußballverband zusammen mit aufgebaut und uns dann die Arbeit geteilt. Er für die Männer und ich habe die Jugend übernommen.“

Auch mit seiner Frau hat sich Rudolf Suchy sportlich engagieren können. Immer montags nach der Arbeit gingen beide – 20 Jahre lang – kegeln. Nach der Wende schloss die Kegelbahn. Doch auch heute noch treffen sich die 16 Kegelfreunde von einst, auch immer noch am Montag.

Den gepachteten Friseurladen im Haus gibt es heute nicht mehr. Nach der Verstaatlichung des Salons in den 60er-Jahren hatte Meister Suchy sechs Mitarbeiter, mit denen er bis zum Eintritt ins Rentenalter arbeitete.

Eine elektrische Schreibmaschine für die Verband-Arbeiten und das Telefon gehören heute zu den wichtigen Utensilien seines Alltages.

Familie? „Die beiden Töchter sind groß. Jeden Tag warten wir auf eine Anruf unserer Enkelin. Wir werden bald Urgroßeltern.“ Hin und wieder holt er seine Briefmarkenalben aus dem Schrank. „Die hab ich seit 51 Jahren“, sagt Suchy und macht sich auf zur täglichen „Stadtrunde“.

DORIT WEHMEYER
OZ vom 21.01.2006

0 Kommentare zu “Mit Ruhestand nicht viel im Sinn”


  1. Keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

*