Montag, 21. August 2017
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Kündigungsfristen für die Toten

Wortmeldung der Kröpelinerin Karin Wendt zu einem aktuellen Thema
Wenn ein Mensch stirbt, hinterlässt er nicht nur im Familienverband eine große Lücke, sondern in den meisten Fällen eine noch größere im Portemonnaie, denn es gibt Gesetze in dieser Gesellschaft, die am gesunden Menschverstand zweifeln lassen. Und es gibt Unternehmen, die diese Gesetze in ihrer ganzen Härte und Schamlosigkeit für sich ausnutzen unter der Maxime: Mit dem Tod endet zwar das Leben des Kunden, aber nicht seine Beziehung zum Unternehmen.
Wen ich hier ganz speziell anspreche, sind Vermieter, Versicherungen, Zeitschriftenverlage, die staatliche Rundfunk- und Fernsehgesellschaft, Telefon- und Kabelanbieter, sogar einige Energieunternehmen. Es ist nicht nachvollziehbar, dass ein toter Mensch noch drei Monate seine Wohnungsmiete zahlen muss. Genauso verhält es sich mit einigen Versicherungen, Kabel- und Telefonanbietern u. a. m., die noch schnell mal einen Monatsbeitrag ergaunern oder sogar auf eine dreimonatige Kündigungsfrist bestehen, und dann noch so tun, als wären sie besonders kulant. Wenn die Hinterbliebenen nicht konsequent das Einzugsverfahren stoppen, wird fleißig abgebucht. Ist das Konto nicht gedeckt, werden gnadenlos Mahngebühren und Gebühren für die versuchte Abbuchung fällig. Hierbei hält übrigens auch das Geldinstitut die Hand auf, denn jede Abweisung kostet dem toten Inhaber Geld, welches er eventuell nicht mehr hat. Man, man, wo sind wir bloß hingeraten? Aber eine Sache klappt reibungslos: Mit dem Tod enden sofort Leistungen wie Rente, Pflegegeld, ALG I oder Harz IV auf den Tag genau. Die Rückforderung erfolgt meist innerhalb eines Monats. Was noch „ganz ausgezeichnet“ klappt, ist die Zurückhaltung von Mietkautionen oder Genossenschaftsanteilen für viele, viele Monate unter fadenscheinigen Begründungen.
In diesem Zusammenhang möchte ich der Ostsee-Zeitung ein großes Lob aussprechen. In zwei Sterbefällen musste ich das OZ-Abo kündigen. Die Kündigungen wurden innerhalb von drei Tagen bestätigt und auch sofort ausgeführt, obwohl in einem Fall nur wenige Tage bis zum Monatsende blieben.

Dafür ein herzliches Dankeschön!

Karin Wendt, Kröpelin

1 Kommentar zu “Kündigungsfristen für die Toten”


  1. avatar 1 gast Herbert Boldt (Gast)

    Frau Karin Wendt hat hier einige Probleme genannt, denen ich nur zustimmen kann.
    Ich bin als Nachlassverwalter in einem Testament
    benannt worden und habe mit der AWG Bad Doberan die Wohnungsauflösungund deren Übergabe zu regeln.
    Die AWG besteht auf die gesetzliche Kündigungsfrist
    von drei Monaten und verweigert die Übernahme der Wohnung des Verstorbenen,der vor Wochen seine letzte Ruhestätte auf einem Friedhof gefunden hat.

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