Dienstag, 20. Februar 2018
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Kröpeliner Bürgerentscheid – die Zahlen hinter den Zahlen – heute: Thema Wahlergebnis

An verschiedener Stelle wurden dieser Tage Herrn Wunschiks 58 Prozent, also das Ergebnis der Bürgermeisterwahl von 2008 hervorgehoben, so auch in den Artikeln der Ostsee-Zeitung. Mir scheint es so, als ob dieses Wahlergebnis am Anfang jeder Argumentation zu finden ist. Darum verdient dieses Thema eine eingehende Betrachtung.

Richtig ist, am 13.04.2008 konnte Herr Wunschik, als einziger ortsfremder der drei Kandidaten für das Bürgermeisteramt, 58,20 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Wahlen werden üblicherweise nach ihrem relativen Ergebnis gemessen. Auch in absoluten Zahlen hatte Herr Wunschik die meisten Stimmen, nämlich genau 1.214. Das aber heiß im Gegenzug, von den zum damaligen Zeitpunkt 4.340 wahlberechtigten Kröpelinern wählten ihn 3.126 nicht. Anders ausgedrückt, einem Wunschik-Wähler standen schon 2008 fast drei Wunschik-Nicht-Wähler gegenüber.

Bürgermeisterwahl 2008 - die Kandidaten

Natürlich gab es schon damals viele Gründe, einer der 3.126 Wunschik-Nicht-Wähler zu sein. 872 Kröpeliner wählten einen der beiden anderen Kandidaten. 29 machten ihren Stimmzettel unültig. Man muß wegen des einfachen Wahlzettels annehmen, diese wurden bewußt ungültig gemacht, weil für diese Wähler kein Kandidat geeignet schien, sie aber von ihrem Recht der Wahl dennoch Gebrauch machen wollten. Die meisten Kröpeliner, nämlich 2.225 blieben schlichtweg daheim.

Einige gehen aus Prinzip nie zur Wahl, schon seit der ersten freien Volkskammerwahl nach der Wende nicht. Viele sind in den Jahren danach von “der Politik” enttäuscht worden und verzichteten seither auf ihr Recht. Manche sind im Ausland, manche auf Arbeit, manche im Urlaub, manchen geht es am Wahlsonntag gesundheitlich nicht gut, das Wetter spielt eine Rolle usw.. Dagegen spricht die bequeme Möglichkeit der Briefwahl. Dagegen spricht auch, daß das Ergebnis einer Bürgermeisterwahl in einer Kleinstadt wie Kröpelin einen deutlichen Unterschied macht und sich darum jeder Bürger einmischen sollte. Wer sich bei einer Wahl nicht selber entscheidet, läßt die anderen für sich entscheiden und muß damit leben. Das weiß jeder und darum muß man annehmen, der Hauptgrund für die 2.225 Nichtwähler am 13.04.2008 war es, daß ihnen keiner der drei Kandidaten zusagte.

Nun, das war 2008. Gewählt ist gewählt. Die damalige Hauptsatzung sah eine neunjährige Amtszeit des Bürgermeisters vor. Die nächste Bürgermeisterwahl wäre demnach wahrscheinlich erst 2017. Zeit, sich als Bürgermeister einzuarbeiten und sich zu bewähren.

Etwas mehr als ein Jahr nach der Bürgermeisterwahl wurde am 09.06.2009 die neue Stadtvertretung gewählt und zeitgleich auch der letzte Kreistag des Altkreises Bad Doberan. Herr Wunschik, gerade neun Monate im Bürgermeisteramt wollte es seinen vielen Amtskollegen der umliegenden Städte und Gemeinden gleichtun und trat ebenfalls an. Er konnte lediglich 429 Stimmen auf sich vereinen, wobei man diese Stimmenzahl durch drei teilen muß, weil jeder Wähler bei Kommunalwahlen drei Stimmen hat. Die kann man auch anders, beispielsweise je eine Stimme auf drei Kandidaten verteilen, aber an dieser Stelle rechnen wir das ruhig mal pauschal durch drei. Somit wollten lediglich 143 Kröpeliner (= 3,3 Prozent von allen) Herrn Wunschik im Kreistag sehen und 4.152 Kröpeliner (= 96,7 Prozent von allen) wollten es nicht oder es war ihnen egal. Einem Wunschik-Wähler standen nun fast 30 Wunschik-Nicht-Wähler gegenüber.

Gab das Herrn Wunschik nicht wenigstens etwas zu denken? Wie lange kann man sich da auf die oben genannten 58 Prozent berufen?

Am 04.09.2011 trat Herr Wunschik zur jüngsten Kreistagswahl gar nicht erst an. Obwohl, es gibt eine köstliche Geschichte darüber, daß er es gleichwohl vergeblich versuchte. Ich hätte das begrüßt, und sei es nur um damit einen deutlichen Gradmesser der Zustimmung für Herrn Wunschiks Wirken in der Kröpeliner Bevölkerung zu haben. Die Bürgermeister von Neubukow, Rerik, Bad Doberan, Satow und Bützow traten an und sitzen nun im neuen Kreistag des Landkreises Bad Doberan.

Andererseits sind der Kreistag und das Kröpeliner Rathaus zwei verschiedene Angelegenheiten. Herr Wunschik wurde 2008 ausdrücklich als Bürgermeister gewählt und gewollt. Ich nehme an, die oben genannten 1.214 Kröpeliner Wähler gaben 2008 ihre Stimme Herrn Wunschik überwiegend darum, weil sie sich von ihm etwas erhofften. Es wird gesagt: “neue Besen kehren gut” und dabei dachten wohl nicht wenige Wähler damals auch an die Stuben des Kröpeliner Rathauses. Auf seinen Plakaten warb Herr Wunschik mit “Vertrauen”, “Gerechtigkeit”, “Zukunft” und versprach vor allem folgendes:

Als Bürgermeister für Kröpelin wäre ich nicht nur Leiter der Verwaltung, sondern auch Mediator zwischen Verwaltung, Politik und Bürgerschaft. Ich würde kreativ Einfluss nehmen, Kompetenzen bündeln, die Menschen zusammenbringen und mit Ihnen gemeinsam neue Ideen besprechen und entwickeln, die das Wohl der Stadt betreffen. Dabei will ich alle Kräfte der Stadt und ihrer Orsteile mit einbeziehen. Das betrifft insbesondere die zu stärkenden Ortsräte, die Wohlfahrtspflege (AWO, DRK, Volkssolidarität etc.) und die Kirchen, die Vereine und Mitglieder der Stadtvertretung und die demokratischen Parteien.

Es mag jeder selber überprüfen, ob diese und andere Wahlversprechen gehalten wurden.

Nun mag man einwenden, das wären ohnehin nur schöne und nie ernstgemeinte Worte und wer nimmt so etwas überhaupt noch ernst? Dafür wird man doch nicht gewählt oder gar abgewählt. Wo aber sind die beinharten Fakten und Zahlen? Die Stadtvertretung als Ganzes wird diese Fakten und Zahlen den Kröpelinern nach dem Weihnachtsfest ausführlich vorstellen und das nicht nur im Internet. Hier nur eine einzige, aber traurige Kostprobe:

Herr Wunschik nahm 2008 sehr geschickt einige Kröpeliner Baustellen in seine Wahlkampfrhetorik auf. Eine ist das im Besitz der Stadt Kröpelin befindliche, aber leerstehende ehemalige Gutshaus in Altenhagen. Herr Wunschik machte kreative Versprechungen (OZ berichtete), führte persönlich verschiedene Verhandlungen. Herr Wunschik hatte dabei völlig freie Hand. Niemand sonst durfte ihm da hineinreden, schon gar nicht die Stadtvertreter. Diese wurden immer wieder hingehalten. Das Gutshaus Altenhagen steht, über drei Jahre später, leider immer noch leer, kostete Unterhaltung und Versicherung und verliert darüber ständig an Wert.

Wertgutachten vom 17.07.2008 – 272.625 Euro

Wertgutachten vom 23.11.2009 – 247.400 Euro

Wertgutachten vom 17.08.2011 – 196.100 Euro

Das macht allein für das Gutshaus Altenhagen einen Wertverlust von exakt 76.525 Euro in über drei Jahren Amtszeit und “Chefsache” von Herrn Bürgermeister Hubertus Wunschik. Ob diese Zahl wohl je in der Ostsee-Zeitung geschrieben sein wird oder doch eher weiter nur die oben genannten 58 Prozent von 2008?

12 Kommentare zu “Kröpeliner Bürgerentscheid – die Zahlen hinter den Zahlen – heute: Thema Wahlergebnis”


  1. avatar 1 gast Sven Gross (Gast)

    Eine Wahl entscheiden ja immer nur die Stimmberechtigten. Das heisst in diesem Fall also die Bürger der Stadt Kröpelin. Diese sind halt vom Sinn und Erfolg dieser Wahl zu überzeugen. Das dürfte ja auch nicht schwer sein, da in den letzten Jahren (Amtzeit Herr Wunschnik) in Kröpelin ja eh nicht so viel passiert ist. Als aussenstehender ehemaliger Kröpeliner Einwohner, interessiere ich mich immer noch für meine Heimatstadt. Täglich verfolge und informiere ich mich über die Ostseezeitung oder die Webseiten von Kröpeliner-oder Schusterstadt. de. Ich finde es eigentlich nur schade, dass eine regionale Zeitung wie die Ostseezeitung einen Herrn Wunschnik immer nur als Sündenbock hinstellt, obwohl er wohl doch das Übel an der Wurzel ist. Da scheint wohl irgendwo eine gewisse Symphatie oder Beziehung zu sein. Kröpelin hat bestimmt auch genug gescheite Bürger und Bewohner, unter denen bestimmt auch ein vernünftiger Bewerber für diesen Posten zu finden wäre. Also apelliere ich hier an alle Kröpeliner. Auf zum Bürgerentscheid, denn nur ihr selber habt es in der Hand.
    Stuttgart den 16.12.2011

  2. avatar 2 gast Joe Kloß (Gast)

    Vergesst bei diesen ständigen Querelen nicht Eure(unsere) Stadt Kröpelin. Die Ordnung und Sicherheit in dieser Stadt läßt total zu wünschen übrig!!! Z.B. die LKW’s und Erntefahrzeuge durch unser Centrum. z.B. Gefährliche Kreuzungen, besonders Rostocker Straße/Schulstraße. Steigende Kriminalität- Kröpelin steht immer mehr in den Schlagzeilen. Dieses gewurschtel mit diesem Bürgermeister(den ich im Prinzip überhaupt nicht kenne) geht nun schon zu lange, und ich habe den Eindruck es wird auch noch einige Zeit dauern.

  3. avatar 3 gast B.J. (Gast)

    Lieber Herr Wendt,
    wenn ich Ihre Rechenkünste samt Interpretationen so lese, dann müsste Ihre Partei SOFORT freiwillig Olaf Scholz als regierenden Bürgermeister von Hamburg zurück ziehen. Was ist das für ein verqueres Demokratieverständnis? Kröpelin hat Herrn Wunschik gewählt, PUNKT.
    Ihr Rosenkrieg erinnert mich daran, dass derjenige, der im Sumpf sitz, nicht mit Schlamm werfen sollte! (ACHTUNG: SATIRE!)

  4. avatar 4 gast Bernhard Jansen (B.J.) (Gast)

    Lieber Herr Wendt,

    auch hier wie auf kroepeliner.de: Ich entschuldige mich nur für die Verwendung meines Kürzels. Aber auch Sie sollten mich nicht mit anderen, die vielleicht eine falsche E-Mail-Adresse angegeben haben, in einen Topf werfen. Ihr Kommentar auf kroepeliner.de spricht deshalb nicht für Sie, zumal Sie die Auslassungen aus Mönchengladbach nur unkritisch übernehmen, weil es Ihnen in den Kram passt.

  5. avatar 5 regm Thomas Wendt (Leser)

    Sehr geehrter Herr Jansen,

    wäre die SPD tatsächlich “meine” Partei, glauben Sie es mir, würde sich die Schere zwischen Arm und Reich in diesem Lande nach der Regierungsübernahme 1998 nicht weiter erhöht haben, gäbe es kein “HartzIV”, hätte es keine Rentenkürzung durch die Hintertür gegeben und Deutschland würde nicht seit zehn Jahren Krieg am Hindukusch führen…

    Aber, bleiben wir in Kröpelin und bei obigem Artikel. Welcher Satz ist dort nicht zu verstehen, so daß Sie ihn nicht gelten lassen möchten? Mein Demokratieverständnis ist gesund. Das Volk hat das Recht nach seiner Kommunalverfassung über eine Abwahl des Bürgermeisters zu entscheiden und wird dieses Recht auch wahrnehmen.

    Wo und was genau übernehme ich aus Mönchengladbach und sei es nur “unkritisch”? Im Gegenteil, ich versuche ausdrücklich meine persönliche Sicht der Dinge darzustellen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das Internet gibt mir und jedem anderen dazu die Möglichkeit und macht frei von den Vorgaben jeglicher Medienkonzerne und Parteizentralen.

    Einigkeit (in der Beurteilung der Leistungen Herrn Wunschiks innerhalb der Stadtvertretung Kröpelin) und Recht (hier die Kommunalverfassung) und Freiheit (meine Meinung öffentlich darzustellen, die niemand teilen muß) …

    In diesem Sinne
    Thomas Wendt

  6. avatar 6 gast Bernhard Jansen (Gast)

    Lieber Herr Wendt,

    ich bezog mich auf Ihren Kommentar auf kroepeliner.de.

    Schöne Feiertage!

  7. avatar 7 regm Thomas Wendt (Leser)

    Sehr geehrter Herr Jansen,

    wenn ich auf Kroepeliner.de schreibe: “wenn in Mönchengladbach nun Stimmen laut werden, die sich mit der Kröpeliner Sicht decken, dann muß die Kröpeliner Sicht nicht deshalb falsch sein.” dann ist das doch keine unkritische Übernahme der Aussagen aus Mönchengladbach. Aber, jeder Kröpeliner sollte sie ruhig einmal selber gelesen haben. Darum auch hier noch einmal der Link:

    Kunst & Kröpeliner Bürgermeister

    Ungeklärt ist nun aber weiterhin Ihre Kritik am obigen Artikel, also zu den, wie Sie es nennen “Rechenkünsten samt Interpretationen”. Ich kann da immer noch nichts Falsches daran entdecken.

    Ebenfalls schöne Feiertage.

  8. avatar 8 gast DER OBSIDIAN (Gast)

    Lieber Herr Jansen,
    welch ein gestörtes Verhältnis zur Demokratie haben Sie eigentlich? “Kröpelin hat Herrn Wunschik gewählt. Punkt.”
    Das verfassungsmäßige Recht zur Abwahl des Bürgermeisters durch das von den Machenschaften dieses Herrn geschädigte Gemeinwesen leugnen Sie? Oder wissen Sie alles so viel besser als die Kröpeliner Stadtvertreter, die offensichtlich nach reiflicher Überlegung sich zu diesem Schritt entschlossen haben? Noch einmal, meine persönlichen Erfahrungen mit dem Funktionsträger Wunschik in Mönchengladbach waren durchweg negativ und ich verstehe die Kröpeliner Bürger nur allzugut. Was ich nicht verstehe, ist ihre Motivation gegen eine völlig legale und aus Sicht der Betroffenen durchaus nachvollziehbaren Maßnahme in dieser – sorry – plumpen Form vorzugehen.

  9. avatar 9 gast Detlev Müller (Gast)

    Irgendwie erinnert mich der Bürgermeister von Kröpelin an den Hauptmann von Köpenik und Bernhard Jansen steht für die Soldaten, die unkritisch jeden der Befehle des falschen Hauptmanns ausführen. Nur dass im Fall Kröpelin der Bürgermeister in seiner grenzenlosen Selbstüberschätzung nicht nur die Gemeindekasse plündert, sondern gleich die ganze Gemeinde mit sich in den Abgrund zu ziehen droht. Was ich dabei nicht verstehe, ist die Motivation Wunschiks und auch Jansens. Beim Hauptmann von Köpenik liegt diese klar auf der Hand. Er war durch und durch kriminell, aber klever. Im Fall des Bürgermeisters von Kröpelin scheinen mir die Vorzeichen umgekehrt zu sein.

  10. avatar 10 gast Olaf (Gast)

    Hallo Thomas, warum gibt es hier eigentlich keine “Gefällt mir” Button??

  11. avatar 11 admin Administration (Administrator)

    Hallo Olaf, jede zusätzliche Funktion verlangsamt die Ladezeit und könnte Sicherheits- und Datenschutzprobleme machen. Wenn, dann gibt es hier eine kleine Lösung auf dem eigenen Server und keinesfalls Skripte von angeblich “sozialen”, in Wirklichkeit aber von Profit oder sonstwie gesteuerten Netzwerkanbietern. Die Links unter jedem Artikel funktionieren dagegen ganz ohne externe Skripte. So kann, wer will, die Artikel in den Netzwerken bekannt machen und bewerten kann man gut durch einen Kommentar.

  12. avatar 12 gast Olaf (Gast)

    Hallo Thomas, die Frage war auch mehr rethorisch und auf den Artikel von Herrn Detlev Müller bezogen. Dort hätte ich gerne ein “Gefällt mir” geklickt:)

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