Montag, 26. August 2019
Schusterstadt Kröpelin
Wegweiser
Start ›  Keine Fünfte auf dem Buchenberg
PresseSchule Schule

Keine Fünfte auf dem Buchenberg

Ostseezeitung: Mittwoch, 23.06.2004

Viertklässler müssen nach den Ferien auf andere Schulen wechseln

47 Fünftklässler gibt es nach den Ferien in Doberan, die nicht auf ein Gymnasium wechseln. Zu wenige, um die Zweizügigkeit an beiden Regionalen Schulen zu garantieren.

Bad Doberan/Rethwisch Nun scheint Fakt, worüber lange diskutiert wurde: Wenn nach der Sommerpause am 9. August die Glocke zur ersten Stunde läutet, werden keine Fünftklässler die Buchenberg-Schule besuchen. “Leider. Wir sind ein Opfer der Umstände geworden. Nur Zahlen gelten noch, nicht mehr Inhalte oder Kontinuität in der Bildungsarbeit”, bedauert Rektor Gunter Heilemann. Das Schlimme sei, dass die Eltern erst auf den letzten Drücker informiert wurden. Sie erhielten ein Schreiben vom staatlichen Schulamt, dass für ihre Kinder künftig die Regionalschule am Kamp vorgesehen sei. Von den 32 Mädchen und Jungen der 4a und b wird ein Großteil zum Gymnasium wechseln. Andere ziehen Schulen in Rostock vor. Nur neun Schüler wollen bis dato zur Schule am Kamp.

Das Debakel resultiert aus der Gesetzeslage. Die Verordnung vom Schweriner Bildungsministerium sagt aus, dass in Orten mit zwei oder mehreren Schulen gleicher Art mindestens zwei Klassen in der Jahrgangsstufe fünf zu bilden sind. Mindestens 22 Schüler müssen für eine Klasse zusammenkommen. “Da wir in Doberan bis dato nur 47 künftige Fünftklässler für diesen Schultyp haben, hatten wir uns für eine der beiden Regionalen Schulen zu entscheiden”, so Bürgeramtsleiter Gerhart Kukla. Den Zuschlag erhielt das Haus am Kamp, für das die zentrale Lage spräche.

“Für einige Parkentiner, die ihre Kinder bei uns angemeldet haben, ist die Situation besonders fatal. Dort läuft die weiterführende Schule im nächsten Jahr aus und sie sollten zum Buchenberg. Jetzt kommt plötzlich die Nachricht: Die Kinder müssen zur Kamp-Schule”, veranschaulicht Rektor Heilemann das Chaos. Er gibt sich trotzdem optimistisch: “Das Aus für uns als weiterführende Schule gilt nicht. Die Kinderzahlen entwickeln sich. Das sieht man daran, dass wir im August vier erste Klassen mit 78 Abc-Schützen eröffnen. Und wir bleiben groß: 380 Mädchen und Jungen besuchen uns nach den Ferien.”

Eine gedrückte Stimmung herrscht zurzeit auch an der Regionalen Schule in Rethwisch. Auch dort erhielten die Eltern die Mitteilung vom Schulamt, dass es keine fünfte Klasse geben wird, da die vorgeschriebene Zahl von 22 Kindern nicht erreicht würde. Sie können ebenfalls zur Kamp-Schule gehen. Noch kurzfristig haben sich darum Eltern fürs Friderico-Francisceum entschieden. “Doch wir geben nicht auf. Erwartungsgemäß gibt es im Sommer noch Zuzug. Vielleicht finden wir dann noch die vier Kinder für die Fünfte, die wir brauchen”, sagt Rektorin Gisela Piontke. Außerdem sähe es in den nächsten Jahren mit den Schülerzahlen weitaus besser aus.

Auch an der Regionalen Schule in Kröpelin fehlen bis dato die nötigen 22 Kinder für die Fünfte. "Es wäre unsinnig 18 Schüler anderswo hinzuschicken. Allein der Transportkosten wegen. Und im nächsten Jahr sehen die Zahlen viel besser aus", sagt Bürgermeister Paul Schlutow. Sechs Eltern klagen privat gegen den nach ihrer Auffassung willkürlichen Akt, keine Fünfte aufzumachen. Das Eilverfahren ist beim Verwaltungsgericht in Schwerin anhängig. Eine Entscheidung soll noch in den Ferien fallen, war gestern zu erfahren.

Die Realschule in Hohen Luckow schließt dagegen im Juni endgültig. Die letzten Schüler wechseln nach den Ferien zur Schule am See in Satow. Auch für die Verbundene Haupt- und Realschule in Rerik steht das Aus bevor. Nur eine Neunte und Zehnte würde es dort künftig geben – viel zu wenig, um den Standort zu erhalten.

ANETT JONUSCHAT

0 Kommentare zu “Keine Fünfte auf dem Buchenberg”


  1. Keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

*