Freitag, 20. September 2019
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Junge Leute in Finanzfragen oft ahnungslos

Immer mehr Menschen geraten in die Schuldenfalle. Gründe dafür gibt es viele. Die Beratungsstelle hilft, um da herauszukommen.

Kröpelin „Die Verlockung ist groß, die Werbung zeigt ja, was man alles haben muss. Und viele junge Leute fallen drauf rein“, sagt Roswitha Käker von der Schuldnerberatung des Arbeitslosenverbandes und der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Kröpelin. Die Anzahl junger Leute, die in die Beratung kommen, nehme immer mehr zu. Die 44-Jährige kritisiert, dass Jugendliche mit Beginn einer Ausbildung massiv mit Werbung von Banken, die für Kredite werben, regelrecht „bombardiert“ werden. „Handyverträge spielen auch eine große Rolle“, sagt Roswitha Käker, die seit 1991 Menschen mit Schulden berät. Häufig hätten die Heranwachsenden sogar mehrere Handys. Ein anderes Problem, warum junge Leute häufig Minusbeträge auf dem Konto hätten, ist, dass sie mit ihrer Geldkarte bezahlen und somit den Überblick über ihre Ausgaben verlieren. „Es ist sehr erschreckend. Was Finanzen angeht, haben sie überhaupt keine Ahnung“, berichtet Roswitha Käker von ihren Erfahrungen. Deswegen ist die diplomierte Agraringenieurin dafür, dass bereits in den Schulen über das Thema Geld ausführlich gesprochen wird. „Es sollte extra ein Fach dafür geben“, so Roswitha Käker.
Das Gros der Ratsuchenden ist aber zwischen 30 und 45 Jahren. Die Hauptgründe für den Schuldenberg sind Arbeitslosigkeit, Trennung, Scheidung sowie Unwirtschaftlichkeit im Haushalt. Wenn Schuldner in die Beratungsstelle kommen, erstellt Roswitha Käker erst einmal, gemeinsam mit dem Betroffenen, eine Haushaltsanalyse. „Einnahmen und Ausgaben werden gegenübergestellt“, erklärt die Fachfrau. Dann wird überlegt, wo Einsparungen möglich wären, etwa unnötige Versicherungen oder Abonnements gekündigt.

Wenn noch nicht alles an Förderungen ausgeschöpft ist, werden Gelder beantragt. „Allein durch die Aufklärung nimmt man ihnen schon einen gewissen Druck“, sagt Roswitha Käker.

Die Beraterin sieht jedoch ein, dass es manchmal ohne Kredite nicht geht. Etwa, wenn man für die Arbeit ein Auto braucht, aber nicht genügend auf der hohen Kante hat. Deshalb rät sie Leuten, die unsicher sind, sich vorher ausführlich zu informieren. „Die Leute kommen meist erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, so die Kröpelinerin. Auch dabei ist die Beratungsstelle behilflich.

Jeden Donnerstag wird in den Räumen der Awo von 13 Uhr bis 16 Uhr in der Hauptstraße 22 in Kröpelin Beratung angeboten. Diese ist kostenlos. Tel.: 038292/82 67 00.

STEFANIE ADOMEIT
OZ vom 13.01.2006

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