Mittwoch, 21. Februar 2018
Schusterstadt Kröpelin
Wegweiser
Start ›  Geld aus Brüssel für gute Ideen
Presse

Geld aus Brüssel für gute Ideen

Ob Schliemann-Haus, Bastorfer Leuchtturm oder Jugendtreff – einer schwachen Region hilft die EU. Noch sind Mittel übrig.

Kröpelin Wenn Sie eine richtig gute Idee haben, wie die Dörfer zwischen Pepelow und Retschow vorangebracht werden können und sich öffnen für Besucher, dann ist die Finanzierung kein Problem. Es gibt nämlich eine Art Füllhorn. Und das ist gut so.
Zwei Regionen wurden rechts und links von Rostock festgelegt, weil sie dringend entwicklungsbedürftig sind. Und natürlich, weil sie genau in das Förderschema der Europäischen Union für ländliche Räume passen. Seit 2002 sprudeln Fördermittel reichlich für Projekte, wenn sie zum Beispiel die Lebensqualität erhöhen oder die touristische Attraktivität.

„Leader plus“ oder auch „Leader+“ heißt die segensreiche Quelle in Brüssel. Die beiden Regionen wurden nach landschaftlichen Besonderheiten, „Kühlung-Salzhaff“, und nach Flüssen, „Warbel-Recknitztal“, benannt. Insgesamt 70 Projekte konnten beide seit 2002 in Angriff nehmen. Wenn sich dieses Jahr dem Ende zuneigt, ist für insgesamt 3,6 Millionen Euro Neues entstanden oder zumindest angeschoben worden. Und davon haben nicht nur die Urlauber oder Anwohner etwas. Eine Bedingung der EU ist nämlich, dass ein Vorhaben über die Gemeinde hinaus Bedeutung besitzen muss. Weitere Projekte können übrigens noch eingereicht werden (siehe unten „Anträge möglichst schnell stellen“). Bisher entstanden zum Beispiel Rad- und Wanderwege, Wasserrastplätze, Gedenkstätten, Freizeit-Einrichtungen und Tourist-Informationen.

Auch wenn Geld zunächst kein Problem zu sein scheint, gilt es Hürden zu überwinden. Der Geschäftsführer der Kühlung-Salzhaff-Region, Olaf Pommeranz, hat zum Beispiel erfahren, dass der Eigenanteil für Gemeinden oder Vereine, auch wenn er oft nur zehn Prozent beträgt, eine große Schwierigkeit darstellen kann. Ebenso die geforderte Vorfinanzierung, denn das Geld aus Brüssel fließt erst später. Marianne Dietrich, Geschäftsführerin der anderen Region, sieht als größte Hürde „die Motivation. Es ist für manche schwierig, über einen längeren Zeitraum durchzuhalten“. So sei eine historische Postkutschen-Tour mit Stationen für Beherbergung und Verpflegung gescheitert, weil der Betreiber in die Insolvenz ging. Nun soll ein neue Anlauf genommen werden.

Auch wenn Geld kein Problem ist, kann sich manches trotzdem nicht verwirklichen lassen. So hatte eine Machbarkeitsstudie den Ausbau der Kröpeliner Mühle als fragwürdig angesehen. „Da haben wir davon Abstand genommen“, erzählt Kröpelins Bürgermeister Paul Schlutow, der auch Leiter der lokalen Aktionsgruppe für das Leader-plus-Projekt ist.

Umso mehr freue sich die Gemeinde über ihre mit 149 000 Euro geförderte internationale Jugendbegegnungsstätte. „Sie wird dieses Jahr fertig. Mit den Jugendlichen beraten wir jetzt die Ausstattung“, berichtet Schlutow. Ihr Name „Profite des Loisirs“ (Nutze die freie Zeit) sei eine Referenz an die guten Kontakte der Gemeinde zu Frankreich. Ebenfalls Leader-Plus zu verdanken ist das Bürgerhaus und die Schliemann-Gedenkstätte Neubukow (120 000 Euro Förderung) und die mit 20 000 Euro ermöglichte Öffnung des Leuchtturms Bastorf für Besucher. 30 Projekte zählt die Kühlung-Salzhaff-Region.

Kröpelins Bürgermeister findet es übrigens völlig in Ordnung, dass die Gemeinde einen Eigenanteil aufbringen muss. „Wir zeigen mit unserer Kofinanzierung, dass wir hinter dem Projekt stehen“, sagt Schlutow, der davon überzeugt ist, dass mit Hilfe von Leader plus die „Region in kleinen Schritten vorangebracht wird“. Man sei in einen größeren Rahmen eingebunden. Das sei gut, „das wird die Zukunft sein.“

BARBARA HENDRICH
OZ vom 14.02.06

0 Kommentare zu “Geld aus Brüssel für gute Ideen”


  1. Keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

*