Donnerstag, 29. Oktober 2020
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Einkaufsbummel wie vor 15 Jahren

Vor einem Jahr ließ der Zoohändler Bernd Fahs wieder Leben im Krö- peliner Kaufhaus ein- ziehen. Im Doberaner Geschäft soll sich in Kürze auch einiges tun.

Kröpelin „Ich wollte jetzt alles mal irgendwie anders machen“, erzählt Bernd Fahs. Nach seiner Scheidung startete der heute 53-Jährige noch einmal richtig durch. Zuerst im Privatleben: Bei Freunden lernte er die elf Jahre jüngere Nguyet aus Vietnam kennen. Schnell wurden Hochzeitspläne geschmiedet, Papiere besorgt und Formalitäten erledigt. Zur Eheschließung flog Bernd Fahs in das Heimatland seiner Zukünftigen. Die Familie empfing ihn mit offenen Armen. „Ein wunderschönes Land, das Klima, die Menschen und vor allem die Pflanzen“, schwärmt der leidenschaftliche Gärtner.
Zu Hause in Bad Doberan bewohnt er seit Generationen das elterliche Haus im Kollbruchweg. Dort hat er sich nach der Wende eine Zoohandlung eingerichtet. Früher gab es im Haus eine Zimmerei. Diese sollte Bernd Fahs eigentlich weiterführen. Doch als der Vater starb, war Sohn Bernd sechs Jahre alt. Er wurde schließlich Zootechniker, lernte damals im Rostocker Tierpark. So lag die Selbstständigkeit mit einem eigenen Tierladen nahe. Doch nach gut einem Jahrzehnt bröckelt das Bild des kleinen Unternehmens. „Die Konkurrenz schläft nicht und die Großmärkte tun ihr Übriges“, äußert sich Fahs. Heute leben nur noch die Emus im Kollbruchweg und natürlich seine Koi-Karpfen. Diese schuppigen Exoten bieten sich an bei ihm, denn Bernd Fahs ist leidenschaftlicher Teichbesitzer. Seine zwei Biotope mit einem Fassungsvermögen von gut 100 000Litern sollen nun auch der Mittelpunkt seines Doberaner Geschäftes werden. Er setzt auf Teichbau, Beratung und Verkauf diverser Zubehörteile.

Sein Kröpeliner Geschäft, das zweite Standbein, bekam vor einem Jahr ein Gesicht. Auch wenn die Banken seine Unternehmerlust nicht teilen wollten und jegliche Hilfe untersagten, übernahm Bernd Fahs das Dobra-Kaufhaus am Kröpeliner Markt. Er erzählt: „Schnell konnte ich mich mit dem privaten Vermieter aus Rostock über einen annehmbaren Mietpreis einigen“. Und bevor er einzog, wurde noch einmal kräftig renoviert. Sogar die Außenfassade durfte sich über einen Neuanstrich freuen. Von insgesamt 360 Quadratmetern Verkaufsfläche sind 240 Quadratmeter bereits eingerichtet. Textilien für Jung und Alt, Lederwaren, Schuhe, Geschenkartikel und Kurzwaren gehören zum Kaufhaus-Sortiment. Besonders Kurzwaren wurden bei den Kunden gut angenommen, da es in Kröpelin schwierig sei, einen Reißverschluß oder Stecknadeln zu kaufen. „Kloppenburg oder so was gibt es hier nicht, erst in Neubukow“, bemerkt Fahs nebenbei. Seine Kundschaft bestehe zu 70 Prozent aus älteren Bürgern, nach deren Einkaufsmöglichkeiten er Angebot und Preis bestimme. An jedem zweiten Wochenende fährt er mit Ehefrau Nguyet, seiner Angestellten, Ware kaufen. Den Löwenanteil beziehen die beiden bei einem asiatischen Großhändler in Berlin. Sonnabend einkaufen, Sonntag auspacken, dann ist die Familie dran. Die ist groß. Nguyet hat neun Geschwister, drei leben in Deutschland. „Eine Geburtstagsparty unter 20 Personen? Undenkbar“, lacht Fahs, der diesen Umstand allerdings ebenso genießt wie die Ruhe an seinem Teich.

Sein ganzer Stolz sind unter anderem die Söhne, drei und zwölf Jahre. Letzteren brachte Nguyet aus erster Ehe mit. Er besucht die Doberaner Buchenbergschule, spricht vietnamesisch ebenso gut wie deutsch und zählt zu den sehr guten Schülern. Während er nicht nach Vietnam zurück möchte, haben die Eltern über eine „Rückkehr“ nachgedacht. „Vielleicht, wenn ich Rentner bin“, sagt Bernd Fahs nachdenklich.

DORIT WEHMEYER
OZ vom 10.03.06

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