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Ein Stück Hamburg tickt im Kirchturm

Alle zwei Wochen wird die Kirchturmuhr gestellt, im Frühjahr alle zwei Tage. Sie kam vor über 40 Jahren von Hamburg nach Kröpelin.

Kröpelin Rund 100 Stufen muss Thomas Batke bewältigen. An seinem großen Schlüsselbund hängen unzählige große und kleine Schlüssel. Neun Türen muss der 39-Jährige öffnen. Dann ist er an der Kirchturmuhr im etwa 35 Meter hohen Turm angelangt. Derzeit steigt der Mitarbeiter der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde in Kröpelin alle zwei Wochen in die Höhe, um die Kirchturmuhr zu stellen. „Wir haben das Problem, dass die mechanischen Uhren nicht genau gehen und sehr temperatur- und witterungsabhängig sind“, sagt Propst Olaf Pleban. Im Frühjahr und im Herbst muss der Zeitmesser sogar alle zwei Tage gestellt werden. „Sehr genau läuft die Uhr in der Sommerzeit, aber auch im Winter, wenn relativ gleich bleibende Temperaturen herrschen“, weiß Thomas Batke.
Nach der Kirchenchronik wurde eine Uhr in Kröpelin 1601 das erste Mal erwähnt. Diese hat dann vermutlich bis zum Jahr 1883 die Stunde geschlagen. Dann wurde nämlich der Turm umgebaut und die alte Uhr demontiert und verschrottet. Schließlich wurde ein Turmhelm auf den Kirchturm aufgesetzt und eine neue Uhr bei dem Uhrmacher Brandt aus der Schuhmacherstadt bestellt. Dieser baute das gute Stück dann auch in den Turm ein. Die Freude hielt jedoch nicht lange an. Das Schlagwerk verstellte sich sehr schnell und der ehemalige Pastor Johannes Burghardt stieg nachts auf den 35 Meter hohen Turm, um das Schlagwerk zu stellen. Der Schaden konnte nicht behoben werden und eines Tages stand die Kirchturmuhr ganz still.

Um 1960 bekam der alte Pastor Burghardt von der Hamburger Kirchgemeinde eine neue Uhr geschenkt. Es dauerte allerdings vier Jahre, bis der Rat des Kreises genehmigt hat, dass der Zeitmesser aus der westdeutschen Hansestadt in den Kirchturm der ostdeutschen Kleinstadt eingebaut werden darf. In der Chronik des Gotteshauses heißt es dazu sinngemäß: Nach zähen und schwierigen Verhandlungen hat es doch noch geklappt. So wurde die Uhr in Hamburg schließlich auf einen Lkw nach Leipzig transportiert und von dort aus auf die Bahn verladen und nach Kröpelin gefahren. Am 2. Juni 1964 traf das begehrte Stück in sieben Kartons auf dem Kröpeliner Bahnhof ein. Einen Tag später kam ein Monteur aus Hamburg mit dem Auto und begann noch am selben Tag mit Hilfe von Wolf Dietrich Burghardt mit der Montage. Vier Tage später schlug die Kirchturmuhr ihre ersten Stunden.

STEFANIE ADOMEIT
OZ vom 26.01.2006

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