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Presse

Ein Film über Kröpelins Geschichte

Ostsee-Zeitung, Donnerstag, 26. Mai 2005

Schüler aus Kröpelins Realschule arbeiten an einem Film über die Ortsgeschichte. Im Juli reisen sie nach Polen. Dort soll der Film uraufgeführt werden.

Kröpelin „Mich interessiert, warum die Leute damals einfach mitgemacht haben.“ Samantha Schramm ist eine von sechs 16 Jahre alten Schülern, die sich mit Kröpelins Geschichte im so genannten Dritten Reich auseinander setzen. In einem Projekt drehen sie einen Film über die Ortsgeschichte während der Zeit des Nationalsozialismus.

Seit Februar behandeln die Schüler dieses Thema im Unterricht. Bis zu den Sommerferien soll der Film im Kasten sein. „Wir haben mit Zeitzeugen gesprochen“, erklärt Kerstin Richter, Projektleiterin und Lehrerin an der Kröpeliner Realschule. „Leider waren nur wenig Einwohner bereit, über ihre Erlebnisse zu reden.“

Viel Recherchearbeit war nötig, um sich ein Bild von der Zeit des Zweiten Weltkrieges machen zu können. Die Schüler sahen sich Filme aus der Zeit an und besuchten Ausstellungen. „Interessant war auch das Stadtarchiv im Rathaus“, sagt Samantha Schramm. „Es ist auch einfach das Allgemeinwissen, das wir durch das Projekt erhalten“, erklärt sie ihr Interesse.

Mit ihrem selbst gedrehten Video-Film wollen die Jugendlichen am 3. Juli zum internationalen Schülertreffen nach Polen in die Stadt Nowe Miasto reisen. „Wir werden ihn in der Anlage des ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz vorführen“, so die Projektleiterin. „Jeder Teilnehmer erhält zusätzlich einen Flyer über das Projekt.“ An dem Treffen werden Schüler aus Frankreich, Österreich, Deutschland, Italien und Polen teilnehmen.

Bis zum Abfahrtstermin gibt es noch viel Arbeit an der Kamera und am Schnittpult. In diesen Tagen dreht sich alles um den Kröpeliner Bahnhof. Dort trafen am 26. September 1937 zwei Sonderzüge ein. In der Zeit zwischen 12 und 14 Uhr trafen sich Adolf Hitler und Benito Mussolini – die Führer der faschistischen Parteien Deutschlands und Italien. Hitler hatte den Duce zu einem Besuch der Militärbasis auf der Halbinsel Wustrow geladen. Die Sonderzüge blieben bis 18 Uhr in Kröpelin, dann fuhren sie nach Wustrow weiter. Zur Erinnerung steht, noch heute, eine so genannte Hitlereiche gegenüber der Bahnstation.

Die Schüler filmen zuerst die Eiche, später die Gleise und die Bahnstation. Mit dabei haben sie einen Ausschnitt aus der OSTSEE-ZEITUNG aus dem Jahr 1997, in dem das Treffen der beiden faschistischen Führer auf Kröpelins Bahnhof beschrieben wird. Gemeinsam mit der Lehrerin diskutieren sie über das politische Spektakel. Immer wieder kommt die Frage auf, wieso sich die Bürger damals so passiv verhielten. „Durch Gespräche mit Zeitzeugen aus Kröpelin haben wir von Manipulation schon im Kindesalter erfahren“, sagt Steven Käker. „In der Schule wurde den Kinder beigebracht, was sie zu denken haben“, sagt er. „Eigentlich erschreckend.“

Claudia Schreiber, Dennis Franke und Michael Brusehaver wollen alles über die damaligen Zustände erfahren. Jacqueline Impe wird die Rolle der Sprecherin in dem Dokumentarfilm übernehmen.

„Uns haben auch Pastor Olaf Plebahn, die ehemalige Lehrerin Elisabeth Cordshagen und Helgried Erdmann sehr geholfen“, berichtet Projektleiterin Kerstin Richter. Sie freut sich darüber, dass sich auch Schüler der zehnten Klassen an dem Projekt beteiligen möchten.

SABINE HÜGELLAND

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