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Den Puhdys die Bäuche füllen

Ostseezeitung: Mittwoch, 30.06.2004

Schmadebeckerin bewirtet seit Jahren Musiker beim Dorfrock

Wenn am Freitag der neunte Dorfrock startet, ist Elisabeth Smykalla zum neunten Mal dabei. Die 65-Jährige ist für das Catering verantwortlich – dass die Musiker nicht mit leeren Mägen auf die Bühne müssen.

Schmadebeck Elisabeth Smykalla mag Rockmusik nicht sonderlich. “Im Radio höre ich mir die manchmal an.” Aber Rockmusiker mögen ihre Brötchen ganz besonders. In Schmadebeck essen sie die Semmeln Jahr für Jahr auf. Am Freitag werden es 150 sein, die für die Puhdys, zwei weitere Bands und deren Tross zu schmieren sind.

Im nunmehr neunten Jahr verpflegt die 65-Jährige die Musiker beim Dorfrock in Schmadebeck. Als sie Organisator Rüdiger Kropp beim ersten Mal um Hilfe beim Catering bat, hatte sie noch gefragt: “Was soll ich tun?” Englisch hat sie in der Schule nie gehabt. Aber den neudeutschen Namen dann doch schnell verinnerlicht. Und festgestellt: “Bei Dorffesten in der DDR haben wir uns weniger kompliziert ausgedrückt. Die Arbeit war die gleiche.”

Gleich geblieben sind auch die Stars, denn es sind Ost-Größen, die sich Jahr für Jahr die Klinke in die Hand geben. Und geblieben ist auch das Kürzel LPG. Nur steht das für etwas anderes. Die LPG von heute ist eine Landprojektgemeinschaft und holt nicht Kartoffeln vom Feld, sondern Musiker darauf. Elisabeth Smykalla war früher in der Landwirtschaft tätig und ist heute LPG-Vereinsmitglied. Als solches fühlt sie sich verpflichtet mitzuhelfen. “Eine Selbstverständlichkeit.”

Tochter Marlies sagt: “Dadurch wird unsere Oma nochmal jung.” Die neunfache Großmutter erfüllt die Wunschzettel der Bands, indem sie danach einkauft. Und wenn den Rockern von Karat um halb zwölf nachts plötzlich nach Rotwein verlangt, besorgt sie flugs zwei Flaschen von der Tankstelle. Sie hebt hervor, wie umgänglich alle Musiker waren, die sie traf. “Karo einfach – das passt zu uns. Wir sind ja hier nicht so vornehm.”

So dicht wie kaum eine Zweite kommt sie ran an die Bands. Im “Catering-Häuschen”. Ihr Urteil: “Das sind auch nur Menschen.” Die mit dem “Du” nicht zögerlich umgehen: “So läuft das wohl im Rockgeschäft.” Ganz locker eben: “Guten Tag und guten Weg.” Berluc, Renft, City und so weiter. Gute Laune auch hinter der Bühne.

Phänomen Ost? Wohl nicht: Torfrock, bisher die einzigen bekannteren Westdeutschen beim Dorfrock, hätten hinreißende Geschichten erzählt. “Zum Totlachen”, so Elisabeth Smykalla.

Ihr Einsatz geht genau so weit, wie er gut für Schmadebeck ist und nicht sie selbst mit Lorbeeren schmückt. Im Rampenlicht steht sie nicht ohne Widerstand. Zwei Beispiele: Als sie letztes Jahr für ihren Fleiß mit Applaus und einem Blumenstrauß auf der Bühne geehrt wird, ist ihr das unendlich peinlich. “Ich war fix und alle. Wäre am liebsten im Erdboden versunken.” Und als sie für die Zeitung porträtiert werden soll, ist sie nah dran sich zu zieren. “Ich halte mich lieber im Hintergrund. Aber vielleicht ist’s gut fürs Dorffest”, lässt sie sich zuletzt umstimmen.

Lieber aber lobt sie andere: Mit wenigen Leuten würde viel auf die Beine gestellt. Auch dieses Mal. Von den auftretenden Puhdys kennt sie nur “Alt wie ein Baum”. Aber auch wenn sie kein Rockfan ist, so hütet sie doch ein paar Autogrammkarten der über die Jahre beim Dorfrock Aufgetauchten. Dazu diverse Zeitungsausschnitte. Nicht wie Trophäen, aber wie Erinnerungsstücke. Und wenn sie den einen oder anderen im Fernsehen wiedererkennt, denkt sie: “Ach guck, den hast du schon gesehen.” Das reicht ihr als Ertrag ihrer Arbeit.

TOBIAS ALBERTZKI

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