Montag, 21. Oktober 2019
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Delfine sollen Philipp helfen

Er kann kaum allein essen, nicht sprechen, sich nicht anziehen: Der Kröpeliner Philipp Joost hat eine seltene Krankheit. Seine Mutter glaubt an Hilfe.

Kröpelin „Laut den Ärzten müsste er kerngesund sein“, sagt Nadine Joost. Kerngesund ist der 7-jährige Philipp aber keinesfalls. Der Kleine kann nur teilweise alleine essen, muss gewindelt und angezogen werden, spricht nicht und benötigt Hilfe beim Treppen steigen.
Die Schwangerschaft der damals 19-jährigen Nadine verlief ohne Komplikationen. Auch nach der Geburt stellten die Ärzte keinerlei Auffälligkeiten fest. Als Philipp etwa acht Monate alt war, machte sich die heute 27-Jährige Sorgen: Der kleine Kröpeliner konnte weder sitzen noch krabbelte er durch die Wohnung. Schließlich wurde Philipp in der Rostocker Universitätsklinik beobachtet. Ihm wurde Hirnwasser entnommen, sein Blut und Urin untersucht und seine Gehirnströme gemessen. Die Diagnose: Psychosomatische Retardierung – der Junge leidet unter einer starken Entwicklungsverzögerung.

Ursachen für diese Behinderung konnten nicht festgestellt werden. Ebenso konnten die Ärzte der jungen Frau nicht sagen, wie sich Philipp in den nächsten Jahren entwickeln werde. Nadine Joost wollte diese Nachricht anfangs nicht wahrhaben. „Es war sehr schwer, das zu akzeptieren. Ich habe mir immer gesagt, eigentlich ist er ja normal“, sagt die gelernte Restaurantfachfrau.

Heute hat sie sich mit der Situation arrangiert. Es ist jedoch nicht immer einfach, mit den Reaktionen der Leute umzugehen. „In Kröpelin kennt man Philipp, außerhalb ist es schon schwieriger“, so Nadine Joost. So wurde die Kröpelinerin unter anderem aufgefordert, das Güstrower Schloss zu verlassen, da das Geschrei von Philipp die anderen Besucher stören würde. „Ich sage dann zwar meine Meinung, aber im Nachhinein ist das schon sehr verletzend. Man sieht ja, dass er behindert ist“, sagt die 1,54 Meter kleine, zierliche Frau.

Mit Philipp ist sie seit der Geburt allein. Die Uroma und Oma unterstützen sie. „Damit ich auch mal weggehen kann“, so Nadine Joost. Seit August geht Philipp in die Regenbogenschule in Bad Doberan. Dort beschäftigen sich Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten mit ihm. Nadines größter Wunsch: Eine Delfintherapie für Philipp. Einen Platz hat sie schon. Und zwar im Oktober nächsten Jahres auf der Karibikinsel Curaçao.

Jetzt fehlt nur noch das nötige Geld. Allein die Therapiesitzungen kosten rund 7000 US-Dollar. Hinzu kommen Flug und Unterkunft. Um das Geld zusammen zu bekommen, organisiert die „gute Stube“ von Sieglinde Schulz eine Weihnachtsfeier am 18. Dezember in der Kröpeliner Gaststätte „Zum Raben“. „Nadine ist so lieb mit dem Kind. Hut ab vor dem, was sie leistet“, sagt die Altenpflegerin.

„Wir möchten alle aufrufen, mit uns den vierten Advent zu verleben und bitten um einen Obolus für Philipp“, so Sieglinde Schulz.

STEFANIE ADOMEIT
Ostseezeitung vom 16.November 2005

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