Mittwoch, 21. Februar 2018
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Bürgermeister fährt an die Spree zum Privatvergnügen – im Rathaus bleibt die Arbeit liegen

Am Mittwoch konnte man aus der Ostsee-Zeitung erfahren, der Bürgermeister hätte sich Urlaub genommen und würde in Berlin weilen. Das erklärt auch seine Abwesenheit beim Kröpeliner Kinderfest tags zuvor am 1. Juni. Nun gut, kann ja jeder in seiner Freizeit und mit seinem Urlaub zum Privatvergnügen an die Spree fahren. Dagegen ist nichts zu sagen, obwohl schon merkwürdig ist, darüber in der Ostsee-Zeitung zu lesen.

Tags darauf dann die lange geplante und sogar noch am Mittwoch in der Ostsee-Zeitung angekündigte Sitzung des Hauptausschusses. Deren Tagesordnung ist ellenlang, in meinen Augen gar nicht sinnvoll an einem Abend abzuarbeiten, jede Menge Grundsatzentscheidungen und Liegengebliebenes. Wie berichtet, kam kurz nach dem Mittag ein Anruf des Bürgermeisters, den Hauptausschuß zu verschieben. Herr Wunschik begründete das mit der Krankheit eines Amtsleiters, gerüchteweise hörte ich sogar von dreien. Tatsächlich aber wurde der besagte eine Amtsleiter am Donnerstag im Rathaus gesehen, eine weitere Amtsleiterin ist voll im Amt und die dritte Amtsleiterin kam am Dienstag, obwohl im lange geplanten Urlaub, sogar pflichtbewußt zu einem Fachausschuß. Also, eigentlich doch alle Amtsleiter an Bord?

Aber selbst wenn mal einer der Amtsleiter ausfallen sollte, so bleibt doch der Bürgermeister für den reibungslosen Betrieb der Verwaltung zuständig. Dann werden eben einzelne Punkte von der Tagesordnung genommen, berichtet ein anderer aus der Verwaltung zu einem der besonders fraglichen Punkte oder letztlich übernimmt diese Tagesordnungspunkte eben der Bürgermeister höchstpersönlich. Zumindest aber erwarte ich von einem Verwaltungschef, daß er den Laden so ordnet, daß dieser seinen Aufgaben nachkommen kann. Auf einem Schiff ist auch der Kapitän verantwortlich, egal, wer gerade am Steuer steht. Da geht man nicht von Bord, wenn der Kahn kentert, um sich an der Spree seinen Kunstvergnügen zu widmen. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, Herr Bürgermeister!

Würde uns der Bürgermeister von heute auf morgen verlassen, was bliebe nach zwei Jahren Stadtverwaltung unter Herrn Wunschik? Einzig die Hundetoiletten (*) und selbst die sind im Moment ohne Tüten. Alles andere, wie kürzlich der Abschluß der Arbeiten am neuen Heimatmuseum, sind noch von den Vorgängern Herrn Schwarck und Herrn Schlutow angeschobene Projekte, einschließlich der noch vorhandenen Rücklagen im Kröpeliner Stadtsäckel. Beiden kann man dafür gar nicht genug danken.

Mit den Stadtfinanzen mag sich Herr Wunschik schon gar nicht beschäftigen. Im Moment liegt lediglich eine vom Bürgermeister unterschriebene Beschlußvorlage den Stadtvertretern vor, die darauf zielt, die Grundsteuern A und B, sowie die Gewerbesteuer (rückwirkend ab 01.01.2010) zu erhöhen. Alle sonstigen Beschlußvorlagen des Bürgermeisters betrafen und betreffen stets nur zusätzliche Ausgaben. Dabei ist absehbar, daß der Haushalt des Jahres 2011 in dieser Weise niemals ausgeglichen wird aufgehen können. Bereits in diesem Jahr haben wir zwei Drittel unserer Rücklagen verplant. In 2011 kommen wir damit gerade mal zur Jahresmitte und dann sind wir als Stadt pleite, müssen Tafelsilber verscherbeln oder Schulden anhäufen. Die Kommunalaufsicht ruft jetzt schon nach einem nachhaltigen Haushaltskonsolidierungskonzept, der Bürgermeister aber kümmert sich um seine schönen Künste. Das wird so nicht reichen.

(*) Wem noch mehr einfällt, kann gerne die Kommentarfunktion nutzen und dort versuchen aufzuzählen. Bitte keine Ankündigungen, wie dauernd anderswo zu lesen, sondern Sichtbares.

2 Kommentare zu “Bürgermeister fährt an die Spree zum Privatvergnügen – im Rathaus bleibt die Arbeit liegen”


  1. avatar 1 gast sich gedanken machender bürger (Gast)

    na sowas. hat der bürgermeister etwa seinen urlaubsantrag nicht bei dir eingereicht??
    das wäre doch mal ein vorschlag für eure stadtvertretersitzung, über den urlaub des bürgermeisters zu beraten. so wie jeder rechtsschaffende arbeitnehmer hat auch der bürgermeister anspruch auf erholungsurlaub. er hat ihn sich ja auch erarbeitet, wobei hier die betonung auf arbeit liegt. wenn man natürlich keiner geregelten arbeit nachgeht, dann hat man sicher auch viel zeit sich über solche sachen gedanken zu machen. es gibt sicher wichtigere themen zu besprechen als sich über so einen schwachsinn den kopf zu zerbrechen.

  2. avatar 2 regm Thomas Wendt (Leser)

    Niemand spricht dem Bürgermeister seinen Urlaubsanspruch ab. Aber läßt Dein Chef Dich in den Urlaub, wenn Du Deine Arbeit hast liegen lassen, so daß wichtige Termine in Deiner Firma deswegen verschoben werden müssen?

    Wenn es “sicher wichtigere Themen zu besprechen” gäbe, dann bitte. Das ist ja einer der geniale Vorteile einer Kleinstadt, da kann jeder zu Wort kommen.

    Hier sogar anonym, wenn man sich ganz doll “über so einen Schwachsinn den Kopf zerbricht” und das Ergebnis gerne als Kommentar mitteilen möchte. Danke dafür.

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