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Bäume für den “Mauerpark” der Nationen

Ostseezeitung: Dienstag, 22.06.2004

Brache an Straße des Friedens bepflanzt

Etwas Bleibendes sollte aus dem internationalen Jugendcamp in Kröpelin hervorgehen, dachten sich die Organisatoren. Und so legten Jugendliche aus vier EU-Ländern gestern den “Park der Nationen” an.

Kröpelin “Kröpelin hat jetzt einen Mauerpark”, sagt Elisabeth Cordshagen. Was nach Abschottung klingt, ist scherzhaft gemeint und folgt dem Gedanken eines grenzenlosen Europas. Denn es sind Jugendliche aus vier EU-Nationen, die an der Schallschutzmauer zur Ortsumgehung den “Park der Nationen” anlegen. Mit Bäumen und Sträuchern aus den Ländern der Teilnehmer und nach einer Idee von Elisabeth Cordshagen, der Vorsitzenden des Partnerschaftkomitees. “Es geht darum, etwas Bleibendes zu schaffen. Zinnteller stehen im Rathaus schon genug.” Sie war es auch, die den passenden Ort am Ende der Straße des Friedens fand, brauchte dafür nur aus ihrem Küchenfenster zu schauen. “Das Gelände lag brach, viele luden dort Müll ab.”

So musste im Vorhinein entrümpelt werden, damit 30 Eichen, Linden, Nadelhölzer etc. gepflanzt werden können. Von 120 Schülern aus Kröpelin und aus befreundeten Gemeinden, die sich alle zwei Jahre und nach 1996 erneut in Kröpelin zum Jugendcamp treffen – Nowe Miasto in Polen, Arnage in Frankreich, Fiume Veneto in Italien, Hude in Niedersachsen.

Mit Spaten und Elan heben vier junge Polen ein Loch für eine junge polnische Eiche aus. Weil sie vergessen, nach oben zu schauen, wird ein europäisches Gemeinschaftswerk draus: “Die muss woanders hin.” Hans-Werner Schütze vom Kröpeliner Stadthof deutet gen Himmel: “Wegen der Oberleitung.” Bevor europäische Träume und Bäume in den Himmel wachsen, sind viele Handschläge und Spatenstiche zu tun und manchmal auch kleine Korrekturen.

Nicht bloß komplikationslos verläuft das sechstägige Jugendtreffen. Die 13- bis 15-jährigen Teilnehmer und die Betreuer werten es gleichermaßen als gelungen. Der 14-jährige Franzose Pierre Delareux schwärmt von Haffrundfahrt, Warnemünde-Trip, Schützenfest, gemütlichen Abenden. “Nur zu kalt ist es”, bemängelt er an seiner ersten Deutschlandreise allein die Qualität des Sommers.

Pierre spricht Deutsch, viele andere verständigen sich in Englisch, per Zeichen- oder auch Körpersprache. Das geht bis hin zu kleinen Liebeleien, weshalb Elisabeth Cordshagen schon “bittere Tränen für den Abschied am Mittwoch” prophezeit. “Aber per Brief, Entschuldigung: SMS, können die Jugendlichen ja Kontakt halten.”

TOBIAS ALBERTZKI

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