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Auf Diedrichshäger Berg stand einst ein Aussichtsturm

Ostsee-Zeitung, Donnerstag, 26. Mai 2005 | Kühlungsborn und Rerik

Wieder entdeckt und wieder gelesen – unter diesem Motto spürt der OZ-Autor Peter Gerds der Geschichte der Region in der historischen Literatur und in Archiven nach.

Kühlungsborn In den Mecklenburgischen Monatsheften vom August 1930 hat der schon gelegentlich erwähnte Pastor Heinrich Schreiber (1864 bis 1936) – bekannt für seine fundierten Beiträge zur mecklenburgischen Geschichte – auch einen längeren Text über Brunshaupten verfasst: über die Gegenwart vor genau 75 Jahren und die uralte Geschichte dieses Ortes. Schreiber schildert Brunshaupten als einen Badeort, der 1930 zu den größten und schönsten an der ganzen deutschen Ostseeküste gehört und weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt ist.

Als vor gut hundert Jahren, 1903, an der Dünenstraße der Kursaal gebaut wurde, stieß man bei Ausgrabungen auf alte Feuerstätten. „Die sie umgebenden Steinsetzungen bestanden zum Teil aus geraden, zum Teil aus kreisförmigen Mauern, die bis 1,5 Meter tief im Boden standen. Die Mauern bildeten die Wandungen unterirdischer Wohnungen, die nach oben durch ein Dach aus Flechtwerk oder Latten abgeschlossen waren“, so Schreiber. Er berichtete, dass man dort Asche- und Kohleschichten gefunden habe ebenso wie Reste von Vorratstöpfen, „derbwangig, ohne Drehscheibe gearbeitete Gefäße mit meist rauer Wandung, dazu Steingeräte, Messer, Schaber und dgl. in den Formen der ältesten Kulturperiode unseres Landes“.

Schreiber betonte, dass die reichen Fundstücke auf eine starke Besiedlung der Gegend hinwiesen. Der Name Bruneshovede/Bruneshout ließe nach Friedrich Schlie auf eine deutsche Gründung schließen. Brunshaupten gehörte ursprünglich zum Kloster Parchow, das 1210 gegründet und 1218 wegen der Wenden nach Sonnenkamp verlegt wurde und das den Namen Neukloster erhielt. Die erste Urkunde, die das Dorf nennt, ist die Gründungsurkunde des Klosters Sonnenkamp. Das älteste Gebäude des Ortes ist die Kirche, die „in ihrem alten Teile nach um die Zeit von 1210 bis 1218 von den Parchower Nonnen erbaut sein wird“, so Schreiber.

Der Verfasser beschreibt dann die einzigartige Natur rings um Brunshaupten – heute Kühlungsborn Ost – mit den wunderbaren Waldbeständen der Kühlung und mit den Erhebungen bis über 100 Meter und dem Blick auf das Meer. Man erkennt den Dachreiter auf dem Münster in Bad Doberan, entdeckt die Kirche von Steffenshagen und in der Ferne die Türme von St. Petri, St. Nikolai, St. Marien und St. Jakobi in Rostock. Schreiber lädt seine Leser ein, den Diedrichshäger Berg mit 128 m Höhe zu „besteigen“, und er bedauert, dass der Aussichtsturm, der hier einmal gestanden hat, schon seit längerem verschwunden ist.

Von hier ist bei gutem Wetter nicht nur Jennewitz und Diedrichshagen zu sehen, sondern auch das Salzhaff und Alt-Gaarz (heute Rerik). „In weiter Ferne taucht die holsteinische Küste auf. Die stumpfen Türme von Wismar erscheinen. Auch die Insel Poel sehen wir“, schwärmt Heinrich Schreiber.

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