Mittwoch, 21. Februar 2018
Schusterstadt Kröpelin
Wegweiser
Start ›  Am 13. Dezember ist wieder WEIHNACHTSMARKT in Kröpelin!
Meinung Weihnachtsmarkt

Am 13. Dezember ist wieder WEIHNACHTSMARKT in Kröpelin!


Wie war das noch – DDR WEIHNACHTEN?

„Wie war Weihnachten in der DDR ?“ Diese Frage meiner Enkelin machte mich nachdenklich.
“Es gab einen Weihnachtsbaum und Geschenke, wie heute auch. Die Familie traf sich und am heiligen Abend gingen wir in die Kirche. Danach war dann Bescherung. Das Weihnachtsfest in der DDR war aber auch „das sich Erfüllen vieler vieler kleiner Wünsche”, war meine Antwort.
Damit war sie nicht ganz einverstanden und hinterfragte “die vielen kleinen Wünsche”. Ich hatte vor, diese Frage mit einer kurzen Antwort zu beenden und kam aber dann doch etwas ins Grübeln. Vieles hat man einfach vergessen, weil es halt Geschichte ist oder es sich einfach nicht lohnt, darüber nachzudenken, – glaubt man. Es war so, wie es war. Nach Weihnachten war immer auch vor Weihnachten, denn um manche Kinderwünsche zu erfüllen, mussten Eltern immer aktiv sein, um zu beschaffen, was gewünscht wurde. Geld spielte hierbei eine meist untergeordnete Rolle. Oftmals konnte nur ein gelbes Paket aus dem Westen helfen, nicht nur Kinderwünsche zu stillen. Doch nicht jeder hatte diese Möglichkeit.
Das Fest selbst war dann schön, doch die Vorbereitungen meist sehr anstrengend und nicht immer in jedem Punkt erfolgreich. Einfallsreichtum und Beziehungen konnten hilfreich sein. Die meisten Frauen waren berufstätig und mussten dann neben Beruf, Haushalt und Kindern auch noch den „Posten des Beschaffers” fürs Weihnachtsfest meistern. Weihnachtsmänner als Schkoladenhohlkörper gab es meist erst wenige Tage vor den Feiertagen. Ihre Menge war begrenzt und wer nicht zur rechten Zeit bei der Auslieferung vor Ort war, der ging leer aus.Doch der so genannte „Buschfunk” funktionierte und es sprach sich schnell herum, wenn die Lieferung da war. Betriebe waren großzügig und ließen einen Einkauf auch während der Arbeitszeit zu.Orangen, richtige Spanische, gab es auch nur kurz vor dem Fest. Das Kg kostete vier Mark und es gab sie meist auch noch zwischen den Feiertagen zu kaufen, bis dann im neuen Jahr wieder die KUBAORANGEN ihren Einzug in den Handel hielten. Diese waren längst nicht so gut.Ungeheuer wichtig war es auch, den Festtagsbraten rechtzeitig zu bestellen. Noch wichtiger, ihn nicht am letztmöglichen Tag abzuholen. Nicht, dass es dann, wie uns einmal passiert, keine Pute mehr gab, nein, durch das Aussuchen waren nur die größten, kaum noch „Backöfentauglichen” übrig geblieben. Blieb nur das Teilen in zwei Hälften und natürlich war das ganze Teil dann um die fünfzig Mark teuer. Edelfleisch, wie Filet vom Rind oder Schwein, waren selten, auch nicht zu den Feiertagen, zu haben. Preislich bestand kein so großer Unterschied zu normalem Fleisch und so blieb nach dem EIGENBEDARF der Verkäufer und deren guten Bekannten und Verwandten kaum etwas übrig für den Verkauf über den Ladentisch. Edelschinken gab es meist nur zum Fest und er wurde von der Abgabemenge begrenzt, damit möglichst viele Kunden etwas abbekamen z.B. vom Lachschinken. Gleiches traf für Wiener Würstchen zu.Die Schlachtereibetriebe sammelten über das ganze Jahr die Naturdärme und zu Weihnachten gab es dann Wiener Würstchen. Diese hatten eine Qualität, in der wir sie nach der Wende nie wieder bekommen haben. Stollen gab es reichlich, wenn auch in sehr unterschiedlichen Qualitäten. Es galt, den besten Bäcker rauszufinden. Der Preis war überall gleich.Schwieriger war es eine Fruchttorte zu belegen. Außer Stachelbeeren war nur noch Ananas im “delikat” zu bekommen. Gut, wer Gartenbesitzer war und Kirschen und Erdbeeren konserviert hatte. Fertigprodukte gab es kaum. Der Rotkohl zum Festmahl musste immer aus dem Kohlkopf gemacht werden, da der aus dem Glas nicht taugte und die Puddings wurden ohnehin alle selbst gekocht. Der Kartoffelsalat, selbst zubereitet, war der Stolz jeder Hausfrau und meist machte diese auch die Majonäse aus frischem Eigelb. Pilze gab es keine. Ich erinnere mich, einmal eine Dose von einem Fernfahrer aus Westberlin geschenkt bekommen zu haben und unsere Mädchen zählten sie dann aus beim Auffüllen, damit jeder gleich viele bekam.
Ein gutes Bier z.B. “Hafenbräu” in kleinen Flaschen oder gar ein „Lübzer”, standen bei den Männern ganz oben auf der Beschaffungsliste zum Weihnachtsfest. Oft wurden Fahrtengemeinschaften gebildet, um dieses im Nachbarbezirk Schwerin einzukaufen. Richtig durchatmen konnte, wer alle Punkte seiner Beschaffungsliste abgearbeitet hatte. Der Weihnachtsbaum war nie ein Problem. Wer keinen Brauchbaren erwischt hatte im Handelsangebot, dem stand immer noch der Weg offen, zum Förster zu fahren und sich im Wald einen auszusuchen.
Heute gehen die damaligen vielen kleinen Wünsche in der Selbstverständlichkeit etwas unter.Die Wertigkeit ist aber eine andere geworden und es lohnt sich einmal mehr, über das Weihnachtsfest in der jetzigen Zeit nachzudenken, wenn man es mit DDR Weihnachten vergleichen möchte oder wie ich, vergleichen musste.

0 Kommentare zu “Am 13. Dezember ist wieder WEIHNACHTSMARKT in Kröpelin!”


  1. Keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

*