Sonntag, 18. Februar 2018
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Geschichte 1937Adolf HitlerBenito Mussolini

Adolf Hitler und Benito Mussolini in Kröpelin

Vor 75 Jahren – im September 1937 – weilte der italienische faschistische Diktator Benito Mussolini zum viertägigen Staatsbesuch im Deutschen Reich. Hitler hatte ihn eingeladen, um ihm seine militärische Stärke zu demonstrieren und ihn fest als Bündnispartner für seine weltmachtpolitischen Pläne zu gewinnen. Jubelnde Menschenmassen, Flaggen und Transparente allerorten und vor allem immer wieder modernstes Militärgerät – das war der vorherrschende Eindruck, den Mussolini und – über die mitreisenden Medien – auch die Weltöffentlichkeit gewinnen sollte.

Diese Reise führte auch durch Kröpelin. Das ist kein neuer historische Fakt. Die Ostsee-Zeitung geht darauf z.B. 1997 und 2005 ein. Es findet ebenfalls Beachtung auf der Kröpeliner Geschichtsseite auf der Homepage der Stadt, mit Text und Bild im Kröpeliner Stadtmuseum und in der zweibändigen Stadtchronik. Hier heißt es:

Und so jubelten sie am 26. September 1937 dem “Führer” auf dem Bahnhof zu, bevor er mit Italiens faschistischem Diktator Benito Mussolini nach Wustrow fuhr, um dort das Kriegsmanöver abzunehmen. Hier zeigte sich der “Führer” dem begeisterten Volke. Auch der Spielmannszug der Hitlerjugend überschlug sich in Heilrufen. Passieren konnte nichts, denn die Polizei hatte vorsorglich sieben ehemalige Funktionäre der örtlichen Arbeiterbewegung in “Schutzhaft” genommen.

Quelle: Chronik der Stadt Teil 2 (Kröpelin, 1999) S. 36f

Der Staatsbesuch wurde in den deutschen Wochenschauen ausgiebig dokumentiert. Dabei standen die Stationen München und Berlin im Vordergrund. Im Zuge der Recherche in den parallelen italienischen Wochenschauen wurde nun auch Filmmaterial in einer Länge von 26 Sekunden zu Kröpelin entdeckt.

Aus rechtlichen Gründen verzichten wir an dieser Stelle auf die Veröffentlichung von Filmausschnitten und zeigen dafür einige Einzelbilder:

Hitler und Mussolini in Kröpelin 26.09.1937

Bahnhofstraße mit Blick auf die Wismarsche Straße

Hitler und Mussolini in Kröpelin 26.09.1937

Wismarsche Straße mit Blick auf den Pferdemarkt

Hitler und Mussolini in Kröpelin 26.09.1937

Kurve in Richtung Pferdemarkt und Strandstraße

Hitler und Mussolini in Kröpelin 26.09.1937

Strandstraße, es folgt kurz die Reriker Chaussee

Bilderquelle: Italienische Wochenschau 1937

Angesichts dieser Bilder stellen sich für die heutigen Betrachter einige Fragen. Aus den Geschichtsbüchern und aus diversen Quellen im Internet lässt sich leicht Einiges zum historischen Kontext dieser Reise zusammentragen und die Frage klären, warum sie ausgerechnet durch Kröpelin führte.

Mehr zum historischen Kontext lesen: ganz lesen

Mehr zum Gesamtverlauf der Reise und den einzelnen Stationen lesen: ganz lesen

Am Vormittag des 26. September 1937, es ist ein Sonntag, besuchten Hitler und Mussolini östlich von Lalendorf (heute Landkreis Rostock) die größten Manöver nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. Zwei stark motorisierte Heeresdivisionen demonstrierten den Blitzkrieg zu Lande, unterstützt von Stukas und Schlachtflugzeugen aus der Luft. Die Tage zuvor wurde der Luftangriff auf Berlin geprobt, nebst Verdunklung und Luftabwehr.

Am Nachmittag fuhren beide vom Bahnhof Kröpelin auf die Halbinsel Wustrow zur dortigen Flakartillerieschule. Hitler führte Mussolini dort die Wirkung der Flakartillerie vor.

Mehr zu den Sicherheitsvorkehrungen lesen: ganz lesen

Die neu aufgetauchten Filmdokumente präsentieren die Kröpeliner vordergründig als jubelnde Menschenmenge am Straßenrand. Inwieweit waren sie es wirklich? Welche Rolle spielten damals echte Begeisterung, reine Neugier, aber auch Demagogie, Einschüchterung und Angst? Geschichte findet immer lokal und konkret statt. Kröpelin stand für einen halben Tag im Zentrum der nationalsozialistischen Politik und der Medien. Das hatte natürlich Auswirkungen auf die damalige regionale und lokale Politik. Welche? Wer waren die in der Stadtchronik genannten sieben inhaftierten Funktionäre der örtlichen Arbeiterbewegung? Gab es öffentliche Gegenproteste, politischen und zivilen Widerstand? Es wäre interessant, könnten noch lebende Zeitzeugen ihre Eindrücke aus der damaligen Zeit schildern.

Hitlers Kalkül jedenfalls ging auf. Wenige Tage nach dem Besuch hat sich Mussolini endgültig an Hitler als Bündnispartner gebunden (Antikominternpakt 06.11.1937) und verkündete Italien seinen Austritt aus dem Völkerbund (11.12.1937), wird schließlich gar zu Deutschlands Verbündeten im späteren Weltkrieg. Es ist zu vermuten, dass die Eindrücke, die Mussolini während seines ersten Besuchs, kreuz und quer durch Deutschland gewann, ganz entscheidend zu dessen verhängnisvollen Entscheidung beitrugen.

Ihre Geschichte konnte sich unsere Kleinstadt beileibe nur selten selber bestimmen. Und so wurde sie auch nach 1937 immer tiefer in den Strudel gezogen. Heute mahnt hinter der Kirche ein schlichter Stein an die Opfer der nachfolgenden Jahre.

4 Kommentare zu “Adolf Hitler und Benito Mussolini in Kröpelin”


  1. avatar 1 gast Willy Gerdel (Gast)

    Der Onkel meiner Frau stand auch am Straßenrand er bekamm aber nicht den Arm hoch zum Hitlergruß. Da bekamm er von jemand in die Schnautze und wurde aufgefordert den Arm hochzunehmen. Das war auch Kröpelin.
    Willy Gerdel

  2. avatar 2 gast Collin, Uwe (Gast)

    Sehr geehrter Herr Wendt,
    ich danke Ihnen für die Neufassung Ihres Artikels. Das Echo auf Ihren Artikel zeigt, wie unkommentierte Tatsachen zu unterschiedlichen Auslegungen führen können. Ich hätte mich gefreut, wenn Sie sich als Autor in einer Nebenbemerkung klarer positioniert hätten, insbesondere in Ihrer Funktion als ein Fraktionsvize unseres Kreistages.
    Mit freundlichen Grüßen Uwe Collin, Neubukow

  3. avatar 3 gast Nazi-Wähler (Gast)

    Zitat:
    „Erst wenn die Kriegspropaganda der Sieger Eingang in die Geschichtsbücher der Besiegten gefunden hat und von der nachfolgenden Generation auch geglaubt wird, kann die Umerziehung als gelungen angesehen werden.“
    Walter Lippmann, amerikanischer Publizist (1889-1974)
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    @ Thomas Wendt
    Na ja Thomas, ehrlich gesagt, ich fand deinen Mut zu einem ungeschönten und unverfälschten Artikel ohne jegliche Wertung besser, als dein feiges Einknicken jetzt.
    Mir bestätigt das nur wieder, dass es richtig war, eure Partei zu verlassen und die meisten von euch zu verachten.
    Aber ich denke, dazu ehrlich zu sein, bedarf es heute mindestens ebenso viel Mut wie im Dritten Reich und in der DDR und allein dein Versuch hatte eine gewisse Anerkennung verdient.
    Von mir bekommst du aber für deine Feigheit nur Mitleid und geringfügiges Verständnis, aber ganz sicher keine Achtung oder gar Anerkennung.
    Na aber wenigstens die Ex-Stasi findet´s gut und gratuliert dir ja.
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    @ Uwe Collin
    Zitat:
    „Das Echo auf Ihren Artikel zeigt, wie unkommentierte Tatsachen zu unterschiedlichen Auslegungen führen können.“
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    Nein lieber Herr Collin, das ist ihr Wunschdenken in ihrer sich von der Wirklichkeit immer mehr entfernenden Rest-Demokratie, die Sie anfangen müssen sich schön zu reden.
    Die meisten Menschen draußen interessiert es gar nicht, aber diejenigen, die es mitbekommen haben und die sich dafür interessieren, , die denken und empfinden genau das, was Sie mit Ihren Manipulationen verhindern wollen und die sind jetzt noch mehr davon überzeugt, dass hier inzwischen eine ebensolche Zensur stattfindet, wie im Dritten Reich oder in Endstadium der DDR
    Und ihre indirekte Drohung gegen den Autor: „Ich hätte mich gefreut, wenn Sie sich als Autor in einer Nebenbemerkung klarer positioniert hätten, insbesondere in Ihrer Funktion als ein Fraktionsvize unseres Kreistages.“, die versteht nicht nur der Herr Wendt, die verstehe auch ich und die verstehen auch ihre politischen Gegner.
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    „unterschiedliche Auslegungen“ wie Sie das nennen, oder das Recht auf eine eigne freie Meinung, wie ich es nenne, ist ein unveräußerliches Menschenrecht, welches im Grundgesetz der BRD verankert ist, das Sie hier mit den Füßen treten und Sie zeigen hier öffentlich, dass es ihnen als Volksvertreter nicht das Papier wert ist, auf dem es geschrieben steht.
    Nur wahre Faschisten schreiben anderen Menschen vor, was sie zu denken haben.
    Ich befürchte, bei den Nationalsozialisten hat die Meinungsbildung nicht viel anders stattgefunden und in der DDR bin ich mir sogar sicher, dass es so gewesen ist.
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    Der ganze peinliche Auftritt hier ist mal wieder ein gutes Beispiel dafür, warum es in diesem Land als demokratische Antwort des Volkes wieder “Nazis” gibt und vor allem, wer das zu verantworten hat.
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    Und ein weiterer unerwünschter Nebeneffekt ist, dass Opa Hans und Oma Ilse jetzt erstrecht ihren Enkeln erzählen, was für tolle Straßen damals deshalb gebaut wurden usw.
    Wenn Dummheit quietschen würde!
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    Mit sozialistischem Gruß, liebe Ex-Genossen

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