Vor 20 Jahren: Kröpeliner SPD gründet sich zum dritten Mal in ihrer Geschichte
Die Mecklenburgischen Herzöge hatte alle Tätigkeiten der Sozialdemokratie seit ihrer Gründung verboten. Allerdings wurden ab 1867 (damals noch im Rahmen des Norddeutschen Bundes) und dann ab 1871 im Deutschen Kaiserreich regelmäßig Reichstagswahlen abgehalten, zu denen von Anbeginn auch Sozialdemokraten kandidierten und bald auch in unserer Region.
1908 wurde das Reichsvereinsgesetz beschlossen und löste die Restriktionen in den Kleinfürstentümern ab (brachte in anderen Regionen des Reiches und für die sozialdemokratische Jugend jedoch erhebliche Einschränkungen). Erst ab 1908 konnten sich in unserer Region Ortsvereine der SPD gründen, so auch in Kröpelin. Nur 25 Jahre bleiben der ersten Kröpeliner SPD und was sind das für Jahre! Erster Weltkrieg, Nachkriegswirren, Inflation und Wirtschaftskrise. Und trotzdem, sie wächst auf weit über hundert Mitglieder an, kann bei vielen Kommunalwahlen die Hälfte der Stadtratssitze erringen, gründet 1926 sogar ihren Kröpeliner Sportverein. 1933 wird die SPD von den Nazis verboten. Zwölf Jahre später liegt Deutschland am Boden.
Am 2. Mai 1945 rollen sowjetische Panzer durch Kröpelin. Die Stadt ist voll mit Flüchtlingen und bald auch Kriegsheimkehrern, das Leben muß sich normalisieren. Sozialdemokraten finden sich nach und nach zusammen, gründen ihre Kröpeliner SPD ein zweites Mal und packen überall mit an. Aber Freiheit ist das nicht und bald schon werden die ersten Mitglieder von den Besatzern einkassiert, müssen zum Rapport zum NKWD nach Schwerin. Trotzdem bringt die SPD schon 1946 wieder weit über hundert Mitglieder zusammen und damit mehr als etwa die Kröpeliner KPD. Die Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED beendete 1946 die Existenz der Kröpeliner SPD.
Nach der Wende des Herbstes 1989 war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die SPD wieder gründete. Allerdings waren seit 1946 zu viele Jahre vergangen. Die Kröpeliner SPD konnte immerhin mit Albert Hamann noch ein Mitglied wieder begrüßen, der nach seiner Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1945 bis zur Zwangsvereinigung 1946 ein vollständig mit Beitragsmarken geklebtes Kröpeliner SPD-Mitgliedsbuch vorweisen konnte. Am 16. Januar 1990 gründete sich die Kröpeliner SPD ein drittes Mal. Dazu gab es einen Aufruf in der Ostsee-Zeitung. Doch nachfolgend kam die Kröpeliner SPD nie über zwölf Mitglieder hinaus. Viele sozialdemokratischen Traditionen waren gebrochen, Milieus aufgelöst und es überwog die Skepsis vor jeglicher Parteimitgliedschaft. Darum setzte die Kröpeliner SPD von Anfang an auch auf parteilose Mitstreiter, konnte die erste freie Kommunalwahl am 6. Mai 1990 in Kröpelin gewinnen und stellte mit Karl-Heinz-Schwarck den ersten frei gewählten Bürgermeister.



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